DruckversionEinem Freund senden
29.08.2016 Mexiko / Menschenrechte / Politik

Erneut Geheimgräber in Veracruz entdeckt

Bürgerinitiative findet innerhalb von 14 Tagen 52 geheime Gräber mit Überresten von mehr als 50 Personen. Konstante Passivität der örtlichen Behörden
Bilder von einigen der 70 Verschwundenen, die das Kollektiv "Kleine Sonne von Veracruz" derzeit sucht

Bilder von einigen der 70 Verschwundenen, die das Kollektiv "Kleine Sonne von Veracruz" derzeit sucht

Mexiko-Stadt. Im Zusammenhang mit der Suche nach den 43 gewaltsam entführten Lehramtsstudenten von Ayotzinapa vor knapp zwei Jahren ist im Bundesstaat Guerrero von Bürgerinitiativen ein geheimes Grab nach dem anderen offen gelegt worden. Eine ähnliche Situation bietet sich in den vergangenen Monaten im Bundesstaat Veracruz. Im April und Juli hatte die "Nationale Suchbrigade Verschwundener Personen" bereits mehr als 15 geheime Gräber mutmaßlicher Opfer des organisierten Verbrechens in zwei verschiedenen Regionen von Veracruz entdeckt. Nicht einmal einen Monat später hat eine ähnliche Initiative – das Kollektiv "Kleine Sonne von Veracruz" – innerhalb von 14 Tagen 52 solcher Gräber auf einem Areal gefunden, das sich im nördlichen Teil der Hafenstadt Veracruz befindet.

Erste Schätzungen gehen davon aus, dass die Gruben die Überreste von mehr als 50 Personen enthalten. Die Initiative äußerte sich überzeugt, auf weitere Körper zu stoßen. Am 20. August wurden 14 weitere geheime Gräber aufgedeckt.

Das Kollektiv hat nach jedem Fund die Staatsanwaltschaft informiert und bemüht sich, weder Indizien noch die Körper zu bewegen oder zu berühren. Aufgrund des Umfangs der Funde sind die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Polizeibehörde der Bundesgeneralstaatsanwaltschaft jedoch überfordert und kommen mit der genauen Registrierung der menschlichen Überreste nicht nach. Nun soll das mexikanische Innenministerium mehr Personal schicken. Ein weiteres Problem sind die Sicherheitsbedingungen für die Suchbrigade. Während ihrer Suche machten die Mitglieder die Präsenz von sogenannten Halcones (Falken) aus.

Diese Personen sind oft motorisiert unterwegs und dienen dem organisierten Verbrechen als Informanten. Das Kollektiv, in dessen Familien es oftmals Verschwundene gibt, betont wie ähnliche Initiativen, dass sein Ziel nicht im Auffinden der Schuldigen der Verbrechen besteht, sondern in der Wahrheitssuche für die Familienangehörigen. "Diese sollen wissen, wo sie um ihre Toten weinen und für sie beten können, einen Zyklus abschließen", drückte es eine Mutter des Kollektivs gegenüber der Zeitung La Jornada aus.

Eine Konstante in Veracruz bleibt die Passivität der örtlichen Behörden. Sie wollen von Verbrechen in der Umgebung der jeweiligen Fundorte meistens nichts gewusst haben. Für Empörung sorgte die Staatsanwaltschaft von Veracruz vor Monaten, als sie ohne Anhörung der Experten vor Ort, Knochenüberreste in einer Pressemitteilung zu Holzstücken erklärte. Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, dass Hinweise aus der Bevölkerung auf die geheimen Gräber in der Regel an Bürgerinitiativen und begrenzt auch an die Bundesstaatsanwaltschaft, aber nicht an die offiziellen lokalen Stellen gehen. Vielfach wird davon ausgegangen, dass diese zumindest teilweise mit dem organisierten Verbrechen kooperieren.

Es ist gut möglich, dass nach Guerrero und Veracruz beim Thema geheime Gräber bald ein anderer Bundesstaat im Vordergrund steht. Erst am 17. August wurde in der Ortschaft Huehuetoca im Bundesstaat Mexiko der Fund von zwölf unter Müll verschütteten Plastiksäcken mit Knochenüberresten bekannt. Das entsprechende Grundstück befindet sich 300 Meter vom Bürgermeisteramt entfernt. Die Säcke wurden offenbar bereits Mitte Juli entdeckt, der Vorfall aber von den lokalen Ermittlungsbehörden verschwiegen. Drei Stunden bevor Nichtregierungsorganisationen mit den ihnen zugegangenen Informationen an die Öffentlichkeit gehen wollten, gab die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates eine Mitteilung zu dem Fall heraus. Unterdessen wurde bekannt, dass die Bundesgeneralstaatsanwaltschaft nach einem anonymen Hinweis Personal ins Tal von Juárez im Bundesstaat Chihuahua schickte. Sie sollen nach verschwundenen Frauen suchen, die dort möglicherweise geheim verscharrt wurden.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr

Was Sie auch interessieren könnte ...

12.04.2016 Nachricht von Gerd Goertz
07.03.2016 Nachricht von Elena Kühne
12.02.2016 Nachricht von Leticia Hillenbrand
23.11.2015 Nachricht von Leticia Hillenbrand