Aktivisten von Friedenscamp in Kolumbien bedroht

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Im Friedenscamp auf dem Platz "Plaza de Bolívar" in Bogotá zelten 200 Menschen
Im Friedenscamp auf dem Platz "Plaza de Bolívar" in Bogotá zelten 200 Menschen

Bogotá. Vier Angehörige der Bürgerinitiative "Friedensabkommen jetzt" haben innerhalb der letzten zwei Wochen mehrere Drohungen bekommen. Zu dieser Initiative gehört ein Friedenscamp auf dem Bolívar-Platz im Zentrum Bogotás. Es war nach dem Sieg des "Nein" beim Plebiszit über das Friedensabkommen zunächst von sieben Personen errichtet worden, inzwischen nehmen 200 Menschen teil. Das Abkommen zwischen Farc und Regierung, das am 26. September nach fast vierjährigen Verhandlungen unterzeichnet wurde, war bei der Volksbefragung am 2. Oktober mit einer äußerst knappen Mehrheit abgelehnt worden.

Eine der Drohungen ist an die Initiatorin des Camps, Katherina Miranda, gerichtet worden. Darin wird ihr befohlen, mit den Demonstrationen aufzuhören. Die Absender unterstellen, dass die Kommunistische Partei dahinter stecke, erinnern, dass "Kolumbien 'Nein' sagte" und gebieten Miranda, still zu sein. Die Nachricht ist von einem Facebook-Konto des Nutzers "Fuerzas Especiales Anticomunistas" (Antikommunistische Sonderkräfte) geschickt worden.

Trotz der Drohungen wollen die Camper weitermachen, sagt Miranda. "Angst ist doch da", gesteht sie ein. Allerdings soll die Aktion dazu beitragen, "dass Kolumbien die Angst verliert: Die Angst, sich zu mobilisieren, sich auszudrücken, die Angst, den Frieden zu wollen", führt die Aktivistin aus. In einem Kommuniqué teilen die Friedens-Zelter mit, dass das Camp nicht aufgelöst wird, solange kein klarer Fahrplan für ein definitives Friedensabkommen vereinbart wurde.

Zur aktuellen Sicherheitssituation des Camps verrät Miranda, sie sei in den Händen der lokalen Polizei, mit der die Aktivisten einen Dialog führten. Zurzeit werde es von sieben Polizisten beschützt.

Miranda beschreibt den Friedenszeltplatz als "ein kleines Kolumbien". Unter den Teilnehmern seien Studenten, Konfliktopfer, Bauern, Indigene und Afrokolumbianer. "Wir haben Leute mit Doktortitel und Personen ohne jegliche Schulbildung", erzählt Miranda. Die externe Unterstützung wachse immer weiter. Auch in anderen Städten haben Befürworter des Friedens Zeltlager errichtet, so in Montería und Cartagena und ab dieser Woche auch in Cali.

In ganz Kolumbien ist eine Mobilisierungswelle zur Unterstützung des Friedensabkommens nach dem Sieg des "Nein" beim Plebiszit sowohl von lange bestehenden Basisorganisationen als auch von spontan formierten Bürgerinitiativen zu beobachten. So tagt die "Volksversammlung" #PazAlaCalle (Für den Frieden auf die Straßen) jeden Montag im Mittelschicht-Stadtviertel Teusaquilloin in Bogotá. Zu den neun Punkten, auf die sich die Initiative beruft, gehören die Verteidigung des gesamten Friedensabkommens sowie die Ablehnung eines "Elitenpaktes" und der Weiterfinanzierung des Krieges. #PazAlaCalle befürwortet den Übergang der Rebellen ins Zivilleben und solidarisiert sich mit den Konfliktopfern.

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