Haiti / Politik

Neuer Anlauf für Wahlen in Haiti

Port-au-Prince. Nach mehrmaliger Verzögerung und einem juristischen Chaos sollten die Wahlberechtigten in Haiti am Sonntag erneut über einen Präsidenten und Teile des Zweikammerparlaments abstimmen. Für den höchsten Staatsposten stellten sich 27 Kandidaten zur Wahl. Sollte keiner der Anwärterinnen oder Anwärter im ersten Anlauf eine einfache Mehrheit von mindestens 50 Prozent erhalten, wird voraussichtlich am 29. Januar eine Stichwahl stattfinden.

Am aussichtsreichsten gilt der Politiker Jovenel Moïse, der vom ehemaligen Präsidenten Michel Martelly unterstützt wird. Aufgeholt hatte zuletzt auch Jude Célestin von der Opposition. Beide Politiker versprachen im Wahlkampf, die Lebensbedingungen der weitgehend armen Bevölkerung zu verbessern.

Zeitgleich zur Wahl eines neuen Präsidenten wird auch über 16 Senatoren und 25 Mitglieder für das Abgeordnetenhaus abgestimmt. Erste Resultate werden laut der Wahlbehörde des Karibikstaates erst Ende kommender Woche erwartet. Das haitianische Wahlsystem gilt als schwach und störanfällig. Die Wahlen vor einem Jahr wurden vor diesem Hintergrund wegen Betrugsvorwürfen annulliert, eine Übergangsregierung ist seit Monaten im Amt. Ein neuer Termin vor wenigen Wochen musste wegen des Wirbelsturms Matthew verschoben worden.

Ende September hatte sich der ehemalige Präsident Jean-Bertrand Aristide überraschend in die Präsidentschaftswahlkampf eingeschaltet und ist damit nach Jahren der Zurückhaltung auf die politische Bühne zurückgekehrt. Der einstige Armenpriester setzt sich für die Kandidatin seiner Partei Fanmi Lavalas, Maryse Narcisse, ein. Bei seinen Anhängern in den Armenvierteln des Landes könnte dieser Einsatz eine entscheidende Wirkung entfalten.

Nach einem Putsch im Jahr 2004 hatte Aristide sieben Jahre im südafrikanischen Exil verbracht. 2011 kehrte er unter dem Jubel seiner Anhänger nach Haiti zurück, hielt sich seither aber politisch eher im Hintergrund.

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