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22.12.2016 Venezuela / Politik / Wirtschaft

Verzögerung bei Einführung neuer Geldscheine in Venezuela

Neue Scheine treffen verspätet ein. Ausschreitungen in mehreren Städten. Grenze kurzzeitig geschlossen. Schlag gegen Mafiagruppen teilweise geglückt
Die Ausgabe der neuen Geldscheine in Venezuela hat sich um einige Tage verzögert

Die Ausgabe der neuen Geldscheine in Venezuela hat sich um einige Tage verzögert

Quelle: VTV

Caracas. Bei der Einführung von neuen Geldscheinen in Venezuela ist es zu Verzögerungen und einiger Verwirrung gekommen. In mehreren Bundesstaaten gab es Ende vergangener Woche Ausschreitungen und Plünderungen. Betroffen waren die Teilstaaten Bolívar, Apure, Anzoátegui, Aragua, Barinas, Falcón, Sucre, Táchira und Zulia.

Die Zentralbank (BCV) des südamerikanischen Landes hatte ursprünglich angekündigt, per 16. Dezember den größten Geldschein im Wert von 100 Bolívares (Bs.) aus dem Verkehr zu ziehen. Die BCV kündigte an, neue Scheine im Wert von 500, 1.000, 2.000, 5.000, 10.000 und 20.000 Bs. in Umlauf zu bringen. Die Maßnahme wurde mit einer Vereinfachung des Zahlungsverkehrs angesichts der hohen Inflation begründet, aber auch als Schlag gegen mafiöse Gruppen präsentiert, die illegal Geld ausführen und im benachbarten Ausland gegen Devisen tauschen.

Tatsächlich führte die Maßnahme zu einiger Unruhe bei illegalen Geldwechslern in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta. Laut Venezuelas Innenminister Vladimir Padrino López wurden innerhalb weniger Tage 117 Personen verhaftet, die versuchten, im großen Stil Bolívar-Scheine zurück über die Grenze zu schmuggeln, um sie bei der BCV einzutauschen. Dabei seien rund 104 Millionen Bs., also mehr als eine Million 100er-Scheine, in bar konfisziert worden. Padrino zufolge existieren in Cúcuta über 1.200 illegale Wechselstuben, die unter anderem eine wichtige Rolle beim Waschen von Drogengeldern spielten. Präsident Nicolás Maduro ordnete daher erneut eine befristete Schließung der Grenze an. Diese wurde am Dienstag wieder aufgehoben.

Auch wenn der Schlag gegen illegale Geldwechslerringe teilweise gelang, traten bei der Umstellung auf neue Geldscheine für die Bevölkerung Probleme auf. Viele Geldautomaten spuckten auch nach Verstreichen der Umtauschfrist weiterhin 100er-Scheine aus, wie verschiedene venezolanische Medien berichteten. Zudem trafen die neuen 500er-Scheine zu spät im Land ein, weshalb Maduro die Gültigkeit der 100er bis zum 2. Januar verlängerte. Auch die Einführung der anderen Banknoten wurde verschoben. Maduro sprach von einer "internationalen Sabotage". So seien frühzeitig Flugzeuge für den Transport der neuen Scheine gebucht worden, diese seien aber "umgeleitet und zurückgehalten" worden.

In mehreren Städten, vor allem im östlichen Bundesstaat Bolívar, kam es rund um den 16. Dezember zu gewaltsamen Ausschreitungen und Plünderungen von Geschäften. Dabei wurden unter bisher ungeklärten Umständen auch drei Menschen getötet. Die Generalstaatsanwaltschaft hat Ermittlungen eingeleitet.

Das Oppositionsbündnis Tisch der Demokratischen Einheit (MUD) machte indes die Regierung für die Vorkommnisse verantwortlich. Die Plünderungen seien die Folge davon, dass Bargeld aus dem Verkehr gezogen wurde, schrieb der MUD auf seiner Webseite. Oppositionspolitiker Henrique Capriles Radonski kritisierte die Abwesenheit der Sicherheitskräfe und unterstellte, die Ausschreitungen seien von der sozialistischen Regierungspartei PSUV gewollt gewesen.

Dem gegenüber steht die Tatsache, dass bis zum 19. Dezember 286 an den Plünderungen beteiligte Personen festgenommen wurden, wie Innenminister Néstor Reverol mitteilte. 233 bleiben nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft in Untersuchungshaft. Der Gouverneur des Staates Bolívar, Francisco Rangel Gómez, forderte zudem kurzfristig Verstärkung von der Nationalgarde an. Laut Rangel wurden über 300 Geschäfte, darunter Spirituosengeschäfte, Eisenwarenhändler und Lotterie-Kioske überfallen. Reverol kündigte an, dass die nationale Regierung Mittel bereitstellen werde, um von Vandalismus betroffenen Geschäften zu helfen. Kurzfristig sollten die Ladenbesitzer mit Krediten öffentlicher Banken versorgt werden. Sachschäden würden im Rahmen des Regierungsprogramms "Barrio Nuevo Barrio Tricolor" unter Einbezug der lokalen Bevölkerung repariert.

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