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21.01.2017 Mexiko / Menschenrechte

Mord an indigenem Umweltaktivisten in Mexiko

Isidro Baldenegro hält eine Dankesrede

Isidro Baldenegro hält eine Dankesrede

Mexiko-Stadt. Am vergangenen Sonntag ist der international bekannte indigene Umweltschützer Isidro Baldenegro López im Bundesstaat Chihuahua erschossen worden. Der Tod des Aktivisten steht laut Zeugen im Zusammenhang mit der Ermordung anderer Indigener in der Region, die sich ebenfalls für die Erhaltung ihres Territoriums einsetzten.

Baldenegro López und seine Familie erhielten bereits Monate vor seinem Tod Drohungen. Diese nahmen Bezug auf seinen Kampf gegen die illegale Abholzung im Territorium der Tarahumara, denen er angehörte. Der jahrelange Widerstand richtete sich nicht nur gegen die Umweltzerstörungen durch Banden, sondern auch gegen die Verletzung indigener Rechte. Das zunehmende Vordringen der Verbrechergruppen schränkte den traditionellen Lebensraum der Tarahumara immer weiter ein.

Seit Jahren spitzt sich der Konflikt zu. Bis heute laufen mehrere Strafprozesse gegen die Verantwortlichen der illegalen Abholzung. In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Angehörigen indigener Gruppen und den Eindringlingen. Bereits vor gut einem Jahr verletzten Angreifer Baldenegros Bruder bei einem Mordversuch. Auch weitere Übergriffe auf Tarahumara wurden verzeichnet.

Die Vereinten Nationen verurteilten den Mord an Baldenegro scharf. "Der Tod Isidrios hinterlässt eine schmerzvolle Leere, nicht nur in seiner Gemeinschaft sondern in der ganzen globalen Menschenrechtsbewegung", so Michel Forst, UN-Sonderberichterstatter. Ebenso wie der Gouverneur Chihuahuas, Javier Corral, bemerkte Forst, dass der bedauernswerte Vorfall erneut die Gefahren und Risiken deutlich mache, denen Menschenrechtler ausgesetzt seien. Beide unterstrichen die Bedeutung einer sofortigen und umfassenden Aufklärung.

Baldenegros zunächst erfolgreicher Kampf gegen die Verursacher der illegalen Abholzung wurde 2003 durch seine Festnahme unterbrochen: Er wurde wegen Drogen- und Waffenbesitzes von der Bundespolizei verhaftet, 15 Monate später aber nach anhaltenden Protesten und wegen mangelnder Beweise freigelassen. Menschenrechtsgruppen äußerten damals den Verdacht, man habe dem Aktivisten Beweismittel untergeschoben, um ihn aus dem Weg zu räumen.

Seit den 1990er-Jahren verschrieb sich Baldenegro dem Schutz seiner Gemeinde vor dem Raubbau und dem organisierten Verbrechen. Vor ihm tat es ihm sein Vater gleich, der ebenfalls ermordet wurde. 2005 wurde Baldenegro mit dem Goldmann-Preis geehrt, einem der höchsten Auszeichnungen für Umweltschützer, die auch als Nobelpreis für Umwelt gilt.

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