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22.01.2017 Brasilien / Soziales

Gewaltsame Räumung in São Paulo, Sprecher von Brasiliens Wohnungslosenbewegung festgenommen

Mit Barrikaden verteidigten 700 Familien ihre Siedlung im Osten  der brasilianis

Mit Barrikaden verteidigten 700 Familien ihre Siedlung im Osten der brasilianischen Metropole São Paulo

Quelle: Midia Ninja

São Paulo. In Brasilien hat die Militärpolizei rund 3.000 Siedler aus ihren Hütten im Stadtteil São Mateus im Osten von São Paulo vertrieben. Beim Versuch, zwischen Polizei und 700 verbarrikadierten Familien zu vermitteln, die aus ihrer "illegalen Siedlung" vertrieben werden sollten, wurde Guilherme Boulos, Sprecher der brasilianischen Wohnungslosenbewegung (MTST) festgenommen. Nach breiten Protesten wurde er neun Stunden später wieder freigelassen.

Die offizielle Begründung für seine Festnahme lautete auf "Widerstand gegen die Staatsgewalt". Boulos, das bekannteste Gesicht der MTST, erklärte dazu: "Widerstand ist für mich kein Verbrechen. Vielmehr ist es ein Verbrechen, 700 Familien von hier zu vertreiben, ohne ihnen irgendein Dach über dem Kopf zu geben." Der Militärpolizei warf er vor, mit Aktionen wie seiner Festnahme die sozialen Bewegungen in der Stadt kriminalisieren zu wollen.

Um ihre Häuser zu verteidigen, hatten die Bewohner des Stadtteils São Mateus drei brennende Barrikaden errichtet und Steine und Ziegel gegen die anrückende Polizei geworfen. Die Familien lebten seit eineinhalb Jahren in provisorischen Häusern auf dem Grundstück, das einem städtischen Großgrundbesitzer gehört. Mit massivem Einsatz von Pfefferspray und Tränengas überwand die Polizei den Widerstand von 3.000 Menschen.

Mit Pfefferspray und Tränengas überwand die Polizei den Widerstand von 3.000 Men

Mit Pfefferspray und Tränengas überwand die Polizei den Widerstand von 3.000 Menschen

Quelle: Mit Barrikaden verteidigten 700 Familien ihre Siedlung im Osten der brasilianischen Metropole São Paulo

Die Mutter eines kleinen Mädchens sagte gegenüber der örtlichen Presse: "Wir haben keinen Ort, an den wir jetzt gehen können." Eine ältere Anwohnerin erklärte: "Hier haben vor allem Kinder, alte Leute und Jugendliche gewohnt. Wir wollten ja nichts umsonst haben. Wir hätten die Grundstücke hier gerne gekauft. Dieses Stück Land war doch seit 40 Jahren verlassen." Um den Interessen des Großgrundbesitzers zu entsprechen, habe die Militärpolizei von São Paulo rund 3.000 Menschen brutal auf die Straße geworfen.

Die Räumung bedeutet einen Tiefschlag für die brasilianische Wohnungslosenbewegung, die in den vergangenen Jahren durch Massenbesetzungen viel Aufmerksamkeit erlangt hatte. Als Antwort auf die Vertreibung der 700 bedürftigen Familien und die nahezu vollständige Zerstörung ihrer Häuser besetzten Guilherme Boulos und seine Mitstreiter am Donnerstag die städtische Wohnungsbaubehörde (CDHU) im Zentrum von São Paulo. Die "Bewegung der Arbeiter ohne Dach" (Movimento dos Trabalhadores sem Teto, MTST) gilt als wichtigste Stimme der städtischen Armen in Brasilien.

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