DruckversionEinem Freund senden
07.03.2017 Guatemala / Militär

Fünf ranghohe Militärs in Guatemala angeklagt

Vier der fünf Ex-Militärs während einer Anhörung in Guatemala

Vier der fünf Ex-Militärs während einer Anhörung in Guatemala

Quelle: Nelson Rivera

Guatemala-Stadt. In Guatemala ist gegen fünf ranghohe Militärveteranen ein Prozess wegen gewaltsamem Verschwindenlassens, Folter und Vergewaltigung Anfang der 1980er Jahre eröffnet worden. Den Ex-Militärs wird Mittäterschaft im Fall eines Geschwisterpaars vorgeworfen. Die Angeklagten hatten damals die Befehlskette gebildet: Manuel Benedicto Lucas García war Generalstabschef, Hugo Ramiro Zaldaña Rojas war Offizier des Geheimdienstes des Generalstabs (S-2), Manuel Antonio Callejas y Callejas war General und Direktor des Geheimdienstes (G-2), Edilberto Letona Linares war Brigadekommandant von Quetzaltenango und Francisco Luis Gordillo Martínez war als Kommandant der Militärbasis in Quetzaltenango im Amt. Gegen Lucas García wurde bereits im Juni 2016 ein Verfahren wegen Verbrechen gegen die Menschheit eröffnet.

Am 27. September 1981 war Emma Guadalupe Molina Theissen von Soldaten entführt und in die Militärbasis nach Quetzaltenango gebracht worden, wo sie gefoltert und vergewaltigt wurde. Nach neun Tagen gelang ihr die Flucht. Daraufhin wurde das Mädchen zuhause von Soldaten gesucht. Als sie nicht aufzufinden war, erhielten die Soldaten den Befehl, ihren 14-jährigen Bruder Marco Antonio festzunehmen. Seitdem ist er verschwunden.

Die Anhörungen der bereits im Januar 2016 Verhafteten zogen sich wegen reichlichen Beschwerden der Verteidigung in die Länge. Die Ex-Militärs verneinen ihre Verantwortung und bezeichnen alle Anschuldigungen als Lügen, fochten die vorgelegten Gutachten an und forderten bis zum Schluss der Anhörungen die Einstellung des Verfahrens. Die Staatsanwaltschaft hingegen legte über 300 Beweisstücke vor. Die Entführung von Marco Antonio Molina Theissen geschah vor den Augen der Mutter, die nun als Klägerin auftritt. 

Der Staat Guatemala wurde bereits 2004 vom Interamerikanischen Gerichtshof (CIDH) wegen dem Gewaltsamen Verschwindenlassen und der Folter und Vergewaltigung der Geschwister Molina Theissen verurteilt. Der CIDH verfügte damals, dass Guatemala die Verantwortlichen zu suchen und zu verurteilen sowie eine Wiedergutmachung für die Familienangehörigen auszuzahlen hat.

Für die Familienangehörigen der während des Bürgerkriegs zu Tausenden Verhafteten und Verschwundenen liegt eine starke Symbolkraft in der Prozesseröffnung. So führte Lucrecia Molina Theissen, die Schwester der Verschwundenen, aus, dass die Prozesseröffnung "eine sehr wichtige Botschaft ist, vielleicht nicht für die ganze Bevölkerung, aber für alle die Mächtigen; sie können sich nicht über die nationale Gesetzgebung stellen. Aber zufrieden werden wir erst sein, wenn wir wissen wo unser Bruder und Sohn ist."

Guatemala erlebte von 1960 bis 1996 einen bewaffneten internen Konflikt bei dem 45.000 Menschen gewaltsam verschwanden, so wie Marco Antonio Molina Theissen. Regelmäßig werden Exhumierungen von Massengräbern durchgeführt, bei denen als verschwunden gemeldete Personen identifiziert werden. Ein weiterer Fall von Verbrechen gegen die Menschheit, der zurzeit verhandelt wird, ist der Fall Creompaz. Dabei wurden 2012 in einem ehemaligen Militärgelände in Cobán 558 menschliche Überreste gefunden.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr

Was Sie auch interessieren könnte ...

17.01.2016 Nachricht von Barbara Klitzke Rozas
01.03.2017 Nachricht von Corinne Christine Lehr
27.02.2017 Nachricht von Barbara Klitzke Rozas
23.01.2017 Nachricht von Barbara Klitzke Rozas