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Präsidentschaftskandidat in Frankreich plädiert für Beitritt von Überseegebieten zum Alba-Bündnis

Frankreichs linker Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon

Frankreichs linker Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon

Quelle: melenchon.fr

Paris. Kurz vor den Wahlen in Frankreich und angesichts des Aufstiegs des linken Präsidentschaftskandidaten Jean-Luc Mélenchon bei den Umfragen greifen Medien und Politiker den Kandidaten wegen seiner Äußerungen zu Lateinamerika an. In seinem Wahlprogramm schlägt Mélenchon vor, dass Frankreich sich an dem Linksbündnis "Bolivarische Allianz für die Völker unseres Amerikas" (Alba) beteiligen sollte. Dabei bezieht er sich auf die von Frankreich seit dem 17. Jahrhundert kolonisierten Gebiete im Norden von Südamerika und in der Karibik, die sogenannten Überseedepartements Französisch-Guayana und Französische Antillen.

Das Alba-Bündnis entstand auf Initiative der inzwischen verstorbenen Präsidenten von Kuba und Venezuela, Fidel Castro und Hugo Chávez. Ihm gehören neben Venezuela und Kuba unter anderem Bolivien, Ecuador und Nicaragua an. Mélenchon wird nun vorgeworfen, er wolle in Frankreich einen Staat nach Vorbild Kubas und Venezuelas errichten.

Dagegen protestierte der Kandidat nun: "Ich habe nicht vorgeschlagen Alba beizutreten. Wie können sie glauben, dass ich so dumm sei, einen solchen Vorschlag zu machen." In einem seiner Youtube-Videos stellte er klar, dass er sich bei dem Beitritt auf die Überseedepartements bezogen habe. Er habe nicht dafür plädiert, dass Frankreich aus der Europäischen Union aus- und in das Alba-Bündnis eintreten solle. Mélenchon verteidigte seinen Vorschlag: "Ja, versuchen wir, Mitglied von Alba zu sein, das heißt Mitglied einer Koalition zu sein, die Länder zusammenbringt, ein Projekt der Zusammenarbeit für die Entwicklung und nicht des Militärs und des Freihandels."

In der Vergangenheit hatte Mélenchon seine Sympathien für Castro und Chávez nicht verheimlicht. Jetzt, da er bei den Präsidentschaftswahlen in den Umfragen nahe bei den anderen Kandidaten liegt und der Einzug in die Stichwahl nicht mehr ausgeschlossen werden kann, sehen seine Gegner und zahlreiche Medien in ihm anscheinend eine größere Gefahr als in der Kandidatin der Front National, Marine Le Pen.

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