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11.06.2017 Mexiko / Medien / Politik

Polizei in Mexiko tötet linken Anwalt

Der ermordete Anwalt und Morena-Aktivist Eduardo Catarino Dircio

Der ermordete Anwalt und Morena-Aktivist Eduardo Catarino Dircio

Quelle: Privat

Tixtla, Guerrero. Während einer Polizeioperation im Bundesstaat Guerrero haben Polizisten gemäß Zeugenaussagen in der Kleinstadt Tixtla einen bekannten linken Anwalt und Aktivisten ermordet.

Während einer mehrstündigen Schießerei zwischen einer Mafiagruppe und Sicherheitskräften am 4. Juni suchten der Anwalt Eduardo Catarino Dircio und Familie in ihrem Haus Schutz. Nach Angaben seiner Ehefrau Hilda Vázquez drang einer der bewaffneten Zivilisten auf der Flucht in das Haus ein, entkam aber. Als die Polizisten ins Haus stürmten, überwältigten sie stattdessen Catarino Dircio, der ihnen am Boden liegend erklärte, er sei der Hausbewohner. Doch trotz der Bitten des Anwalts befahl ein Vorgesetzter: "Tötet ihn", worauf eine Kugel ihn schwer verletzte. Hilda Vázquez und ihre 12-jährige Tochter konnten sich dem sterbenden Ehemann und Vater nicht nähern, da die Polizisten sie ebenfalls mit dem Tod bedrohten. Eine Ambulanz wurde von auf der Straße postierten Bundespolizisten und Soldaten nicht durchgelassen, so die Witwe. Dem Minuten später verstorbenen Anwalt legte die Polizei ein AK-47-Gewehr auf den Körper und fotografierte ihn, um damit zu “beweisen”, dass er in einer Konfrontation getötet wurde. Ein Sprecher der Regierung von Guerrero bezeichnete ihn gleichentags als "Mörder der Drogenbanden".

Catarino Dircio war ein bekannter Vertreter des Linksbündnisses "Bewegung der nationalen Erneuerung" (Morena) in Tixtla. Fünf Kilometer außerhalb des Ortes befindet sich die Pädagogikuniversität "Raul Isidro Burgos" von Ayotzinapa, 43 ihrer Studenten sind seit September 2014 gewaltsam verschwunden.

Die Proteste der Partei Morena und der Familie des Anwalts haben indes dazu geführt, dass die Regierung Guerreros seine Diffamierung als "Mörder der Drogenbanden" zurücknahm. Zudem sei das Foto mit der Schnellfeuerwaffe nicht Teil der Untersuchungsunterlagen, so ein Sprecher des Innenministeriums. Zwar werden nun 18 Lokalpolizisten verhört, doch fünf Tage nach der Tat ist niemand in Haft und die Witwe hat ihren Zeugenbericht noch nicht zu Protokoll geben können.

Die extralegale Hinrichtung des Anwalts ist kein Einzelereignis im eskalierenden Krieg in Mexiko, in dem auch vermehrt Menschenrechtsaktivisten und Oppositionelle zufällig oder gezielt zu Opfern der Gewalt werden. Morena gab bekannt, dass in ihrem zweijährigen Bestehen schon 17 Parteimitglieder ermordet wurden.

Die lokalen Menschenrechtsorganisationen Centro Morelos und das Komitee gegen Folter und Straflosigkeit haben die Behörden aufgefordert, umgehend Sicherheitsmaßnahmen für die Familie von Catarino Dircio zu ergreifen, die Zeugen der Hinrichtung waren. Zudem fordern sie eine umfassende Aufklärung und drücken ihre Sorge aus, dass die Militarisierung der inneren Sicherheit im Lande zu keiner Verringerung der Gewaltdelikte geführt habe, im Gegenteil würden in Orten in Zentralguerrero wie Chilpancingo, Tixtla und Chilapa täglich eine hohe Zahl von Morden begangen. Das Vorgehen der Polizei in Tixtla am 5. Juni vertiefe das Misstrauen gegen Polizei und Militär, weshalb sich die Organisationen auch gegen das "Gesetz zur inneren Sicherheit" aussprechen, das die Militarisierung zementieren soll.

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