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Vater von inhaftiertem Studenten in Honduras nach Protest ermordet

Robert G. vor wenigen Tagen vor dem Gerichtsgebäude. Einen Tag später wurde der 50-Jährige ermordet

Robert G. vor wenigen Tagen vor dem Gerichtsgebäude. Einen Tag später wurde der 50-Jährige ermordet

Quelle: MEU

Tegucigalpa. In Honduras ist der Vater eines inhaftierten Studentenaktivisten nach einem öffentlichen Protest ermordet worden. Der 50-jährige Roberto G. wurde Ende vergangener Woche erschossen. Am Tag vor der Bluttat hatte er mit einem Protestplakat vor dem Gerichtsgebäude demonstriert, in dem sein Sohn zusammen mit anderen 19 Studierenden der Prozess wegen einer Besetzung der Nationalen Universität (UNAH) am vergangenen 24. Mai gemacht wurde. Robert G. gab vor dem Gerichtsgebäude dem Kabelsender HCH ein Interview.

Nach dem Putsch 2009 hatte die Staatsführung in Honduras sukzessive eine neue Leitung an der UNAH installiert, die fortschrittlichen studentischen Organisationen im Universitätsrat wurden durch rechte Gruppen ersetzt. Das Resultat war allerdings, dass sich die Studierenden immer stärker in autonomen und antiautoritären Organisationen und Bewegungen zusammenschlossen, die sich dann im Movimiento Estudiantil Universitario (MEU) der UNAH zusammenfanden.

Die putschfreundliche Unileitung unter der Rektorin Julieta Castellanos ließ sich davon nicht beeindrucken und verhängte 2014 neue "akademische Normen", welche den Studierenden gemäß des globalen Trends zur Verschulung der Universitäten unter anderem höhere Leistungsanforderungen und Präsenzen diktierte. Seither gärt es in den Universitäten des Landes und kommt es immer wieder zu großen Mobilisierungen, Unibesetzungen und harten Repressionseinsätzen der Sicherheitskräfte. Dies geschieht in einem Land, in dem die universitäre Autonomie eigentlich die Präsenz von Polizei und Armee auf dem Campus verbietet.

Die aktuellen Demonstrationen haben ihre Vorgeschichte im universitären Widerstand gegen den Putsch im Jahr 2009 und fanden jetzt eine breite Unterstützung auf der Straße, nicht nur unter den Studierenden, sondern auch in deren Familien und im Lehrkörper.

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