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27.08.2017 Mexiko / Medien / Menschenrechte / Politik

Weiterer Journalist in Mexiko ermordet

In Mexiko erschossen: Cándido Ríos Vázquez

In Mexiko erschossen: Cándido Ríos Vázquez

Quelle: privat

Mexiko-Stadt. In Mexiko ist Mitte dieser Woche der Journalist Cándido Ríos Vázquez erschossen worden. Ríos Vázquez ist damit das 44. Opfer systematischer Gewalt gegen Journalisten während der 56 Monate der Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto, schreibt das Nachrichtenportal ejecentral.

Ríos Vázquez wurde am 22. August in Hueyapan de Ocampo im Bundesstaat Veracruz von Vermummten getötet. Er war Gründer des Mediums La Voz de Hueyapan und Polizeireporter der Tageszeitung Diario de Acayucan. Seit 2013 stand er unter polizeilichem Schutz aufgrund von Drohungen lokaler Funktionäre. Der stellvertretende Leiter des Staatssekretariats für Menschenrechte, Roberto Campa Cifrián, sagte bei einer Pressekonferenz am 23. August, dass der Anschlag offenbar Ríos Vázquez’ Begleiter Antonio Víctor Acrelio galt. Dieser war früher Polizeichef von Acayucan und ist derzeit Kandidat der Koalition zwischen der ehemaligen Staatspartei PRI und der Grünen Ökologischen Partei Mexikos (PRI-PVEM). Im März dieses Jahres waren zwei seiner Cousins ermordet worden.

Zufällig oder nicht, ist "Pabuche" – wie Ríos Vázquez von Freunden und Kollegen genannt wurde – in Mexiko der zehnte getötete Journalist in diesem Jahr. Laut Christian Mihr, Geschäftsführer der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen, ist der Bundesstaat Veracruz für Medienschaffende "der gefährlichste Ort in der Region". In den vergangenen sechs Jahren seien dort mindestens 17 Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet worden. Die Lage zwischen der Hauptstadt des Landes und dem Golf von Mexiko macht den Küstenbundesstaat zu einem der wichtigen Umschlagsplätze für das organisierte Verbrechen. Dort sind Journalisten und Aktivisten dem Bandenkrieg zwischen den beiden Drogenkartellen "Los Zetas" und "Jalisco Nueva Generación" wehrlos ausgesetzt. Der wegen Korruption zurückgetretene Gouverneur Javier Duarte bedrohte jahrelang Journalisten offen. Keiner der während seines Mandats begangenen Morde an Medienschaffenden wurde aufgeklärt.

2017 ist schon jetzt eines der gewalttätigsten Jahre im Hinblick auf die Verletzung der Meinungs- und Pressefreiheit in Mexiko. Laut der britischen Menschenrechtsorganisation ARTICLE 19 waren für 50,7 Prozent der Drohung gegen Pressevertreter im ersten Quartal 2017 Staatsbeamte verantwortlich.

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