Mehr Jugendliche in Lateinamerika und Karibik arbeitslos

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Titelblatt der Studie der ILO über Arbeitslosigkeit von Jugendlichen in Lateinamerika und der Karibik
Titelblatt der Studie der ILO über Arbeitslosigkeit von Jugendlichen in Lateinamerika und der Karibik

Genf. Nach einem Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) werden in Lateinamerika und der Karibik Ende 2017 eine halbe Million Jugendliche mehr arbeitslos sein als 2016. Damit verzeichnet die Region im weltweiten Vergleich den höchsten Anstieg an Arbeitslosigkeit unter den 15- bis 24-Jährigen.

Für 2017 stellt die Sonderorganisation der Vereinten Nationen einen Anteil von 19,6 Prozent arbeitslosen Jugendlichen fest, der höchste seit 2004 und fast einen Prozentpunkt über dem Wert von 2016. Diese Entwicklungen sieht die ILO vor allem in der geschwächten Wirtschaft von Brasilien begründet. "Dieser Anstieg kann nur teilweise durch die sinkende Arbeitslosigkeit in Argentinien und Mexiko abgefedert werden", so die ILO. Auch der Gender-Gap besteht deutlich fort: Die Arbeitslosigkeit unter den weiblichen Jugendlichen bleibt mit 23,9 Prozent deutlich höher als bei den Männern (16,7 Prozent).

"Global hat sich die Lage in den vergangenen Jahren nur wenig verändert, was die besonders benachteiligte Situation junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt verdeutlicht", heißt es im Bericht. Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen stieg um 0,1 Prozent im Vergleich zu 2016 auf 13,1 Prozent, also 70,9 Millionen Jugendliche. Die arabischen Länder weisen mit 30 Prozent die höchste Rate an Arbeitslosen auf, gefolgt von Nordafrika (28,8 Prozent) und Lateinamerika (19,6 Prozent).

Auch der Übergang von der schulischen Ausbildung in die Arbeit gestaltet sich schwierig: Im Schnitt brauchen die Jugendlichen in Lateinamerika und der Karibik dafür 14,6 Monate. Nur in Osteuropa und West- und Zentralasien dauert der Übergang noch länger.

Die ILO bemängelt in dem Bericht zudem die oft prekären Arbeitsbedingungen. Die Informalität sei auch in Lateinamerika und der Karibik ein großes Thema: "Wenn junge Frauen und Männer Arbeit finden, bleibt die Qualität ein Problem. In Schwellen- und Entwicklungsländern leben 16,7 Prozent der jungen Arbeiter mit einem Einkommen unter der extremen Armutsgrenze von 1,9 US-Dollar pro Tag, teilweise deswegen, weil sie ihr Arbeitsleben oft im informellen Sektor beginnen." Insbesondere in dieser Region würden viele junge Menschen im Haushalt arbeiten oder zur Arbeit ihrer Familie beitragen.

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