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ELN-Guerilla übernimmt die Verantwortung für die Toten in Kolumbiens Pazifikregion

Kommuniqué der Nationalen Befreiungsarmee (ELN): Die Toten der Pazifikregion seien keine Zivilisten, sondern Bewaffnete einer kriminellen Organisation gewesen

Kommuniqué der Nationalen Befreiungsarmee (ELN): Die Toten der Pazifikregion seien keine Zivilisten, sondern Bewaffnete einer kriminellen Organisation gewesen

Quelle: ELN/Twitter

Bogotá. Elf Tage nachdem die Gerüchte um ein Massaker in der Pazifikregion Kolumbiens viele Fragen über die Verantwortlichen aufgeworfen haben, hat die Guerilla Ejército de Liberación Nacional (Nationale Befreiungsarmee, ELN) bestätigt, dass sie zehn Menschen im südwestlichen Departamento Nariño getötet hat. Diese seien allerdings keine Zivilisten gewesen, sondern Bewaffnete der Guerillas Unidas del Pacífico (Vereinigte Guerillas des Pazifiks, GUP), heißt es in dem Kommuniqué der ELN. Die Rebellen wollten die GUP wegen Misshandlungen der lokalen Bevölkerung zur Rede stellen und seien dabei attackiert worden. In dem darauffolgenden Gefecht habe die ELN die zehn GUP-Leute getötet und die GUP ihrerseits zwei Zivilisten erschossen sowie drei weitere verletzt.

Bei den Guerillas Unidas del Pacífico handele es sich um eine kriminelle Gruppe von 300 Mann, deren Chef, alias David Abmachungen mit dem Clan del Golfo geschlossen habe, versicherte im August der Kolumnist der Zeitschrift Semana, Ariel Ávila. Der Clan ist ein anderer Name für die paramilitärische Drogenhandelsstruktur Gaitán-Selbstverteidigungsgruppe (AGC). Zur GUP gehörten laut Ávila 40 Dissidenten der Ex-Farc-Guerilla. Dem ELN-Schreiben zufolge sei die GUP seit einem Jahr in der Region präsent, würde "die lokalen gemeinschaftlichen Organisationsformen" nicht respektieren und Übergriffe auf das "Leben und friedliche Zusammenleben" der Bevölkerung begehen.

Unter den zehn getöteten Männern seien vier der GUP-Chefs. Die Rebellen hätten außerdem sechs Mitglieder der Gruppe festgehalten, entwaffnet und anschließend freigelassen, weil sie zu einer lokalen Gemeinde gehörten. Laut der ELN seien sie wegen des Lohns in die GUP eingetreten. Abschließened listet das Kommuniqué die Lang- und Kurzwaffen und weiteres Kriegsmaterial auf, das die ELN-Kämpfer von der GUP gesammelt haben.

Die Regierung von Präsident Juan Manuel Santos und die ELN führen seit Februar offiziell Friedensgespräche. Als humanitäre Erleichterung haben beide Seiten eine befristete bilaterale Waffenruhe  vom 1. Oktober bis zum 12 Januar vereinbart. Nachdem vier Friedensdelegierte der Regierung, der Leiter des Teams eingeschlossen, letzte Woche gekündigt haben, verkündete Santos die Bildung eines neuen Teams für die nächste Phase der Friedensgespräche, die am 8. Januar startet.

Die kolumbianischen Medien haben spekuliert, dass die Kündigungen mit dem Vorfall in der Pazifikregion zu tun haben könnten sowie mit dem Mord an einem indigenen Anführer, den die ELN im Oktober verübt hatte. Bisher hat allerdings keiner der vier Delegierten dies als Begründung für ihre Entscheidung genannt. Der Leiter des Teams, Juan Camilo Restrepo, nannte persönliche und berufliche Pflichten als Grund.

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