Fortführung der Friedensverhandlungen in Kolumbien in Gefahr

Angriffe der ELN-Guerilla auf Polizeistationen. Fortsetzung des Friedensdialogs unklar. NGO dokumentiert Dutzende Zwischenfälle

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ELN-Kämpfer in Kolumbien
ELN-Kämpfer in Kolumbien

Bogotá. Seit der am 9. Januar ausgelaufenen Waffenruhe zwischen der Regierung und der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) ist es in mehreren Regionen von Kolumbien zu bewaffneten Auseinandersetzungen gekommen. Eine Fortsetzung der Friedensverhandlungen im ecuadorianischen Quito scheint damit bis auf weiteres ausgeschlossen.

Nachdem die Regierung die Verhandlungen mit der ELN eingestellt hatte, eskalierte in vielen Regionen Kolumbiens die Gewalt (Amerika21 berichtete). Vorerst betonten beide Parteien ihre Bereitschaft, in naher Zukunft über eine weitere Waffenruhe und die Fortsetzung der Gespräche zu verhandeln. Nach Angriffen auf drei Polizeistationen am vergangenen Wochenende, hat Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos diese Möglichkeit nun wieder ausgeschlossen.

Noch vor einigen Tagen hatte Santos ursprünglich angekündigt, den Vorsitzenden der Regierungsdelegation, Gustavo Bell, wieder nach Quito zu schicken. Er solle die Möglichkeit evaluieren, erneut eine bilaterale Waffenruhe auszuhandeln, so der kolumbianische Präsident. Santos bekräftige die Absicht der Regierung, schnell zu einem Friedensvertrag mit der ELN zu kommen.

Auch die Friedensdelegation der ELN kommentierte auf Twitter, dass sie weiterhin in Quito für die Wiederaufnahme der Gespräche bereit stehen würden: "Wir warten auf die Bereitschaft der Regierung, um die Verhandlungen zu beginnen und einen Waffenstillstand zu vereinbaren."

Die Attacken auf drei Polizeistationen in Barranquilla, Soledad und Santa Rosa bei denen es mehrere Tote und Verletzte gegeben hat, machten die neusten Annäherungen jedoch wieder zunichte. Weitere Verhandlungen würden erst aufgenommen, wenn die ELN auch ihr Verhalten anpassen und ihren Worten auch Taten folgen lassen würde, so Präsident Santos am Montag dieser Woche. Die ELN antwortete darauf mit einer erneuten Forderung nach einer Waffenruhe. Sie wolle die Verhandlungen fortsetzen, betonte aber auch: "So lange es noch keine weitere Waffenruhe gibt, wird es weiterhin militärische Aktionen auf beiden Seiten geben."

Die kolumbianische Nichtregierungsorganisation FIP dokumentiert seit Ende der Waffenruhe alle Zusammenstöße zwischen den kolumbianischen Streitkräften und der ELN. Bis zum 26. Januar kam es nach Angaben der Organisation zu insgesamt 63 Zwischenfällen. Ein Großteil davon in der Region Arauca, die im Nordosten des südamerikanischen Landes liegt. Während der Gefechte ist es auf beiden Seiten zu Toten gekommen, alleine neun Opfer gab es in Arauca. Auch leidet die Zivilbevölkerung unter den Kämpfen und den massiven Vertreibungen. Laut staatlichen Quellen wurden alleine zwischen dem 17. und dem 20. Januar rund 1.000 Zivilisten bei Gefechten zwischen bewaffneten Akteuren aus ihren Heimatgemeinden vertrieben. Beide Parteien werfen sich gegenseitige Provokation und Attacken vor.

Laut FIP gingen die Angriffe in 34 Fällen von der ELN und in 29 von den bewaffneten staatlichen Kräften aus.

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