Paramilitärischer Druck auf Gemeinden in Bajo Atrato in Kolumbien nimmt zu

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Bedrohte Landaktivisten aus Bajo Atrato in Bogotá
Bedrohte Landaktivisten aus Bajo Atrato in Bogotá

Bogotá. In den letzten Wochen haben die Todesdrohungen der paramilitärischen Gaitán-Selbstverteidigungsgruppen (AGC) gegen Landaktivisten in der nordwestlichen Region Bajo Atrato stark zugenommen. Dort sind zwischen November und Dezember auch zwei Bauernanführer ermordet worden. All dies gehöre zu einer "paramilitärisch-unternehmerischen Offensive" gegen die Kleinbauerngemeinden, so die Ökumenische Menschenrechtsorganisation Justicia y Paz (CIJP). Agrar- und Bergbauunternehmer, die sich im Laufe der vergangenen 20 Jahre Gemeindegrundstücke illegal angeeignet haben, sollen hinter den Machenschaften der AGC stecken, klagen die Bedrohten.

Die zwei getöteten Landaktivisten, Mario Castaño und Hernando Giraldo, sowie die mindestens 25 Bauernführer, die von der AGC zu militärischen Zielen erklärt wurden, hatten sich gegen die unrechtmäßige agroindustrielle Nutzung ihrer Gemeindeländereien durch das Großunternehmen Agromar gewehrt. In einigen Fällen haben AGC-Männer in ihren Todesdrohungen deutlich gesagt, dass die bedrohte Person ein Hindernis für geplante Projekte der Agrarindustrie sei, so die CIJP. Die Landaktivisten setzten sich seit Jahren für die Rückgabe ihrer geraubten Ländereien ein, aber die Unternehmerprojekte werden von der Behörde für Bodenordnung unterstützt.

Mitte Dezember sind die 25 bedrohten Landaktivisten und Familienangehörige von ermordeten Kleinbauern in die Hauptstadt Bogotá gefahren, um Sicherheitsgarantien von der Regierung einzufordern. Innenminister Guillermo Rivera versprach, Maßnahmen zu ergreifen. Generalstaatsanwalt Néstor Humberto Martínez besuchte ein paar Tage später die Region und kündigte den Einsatz eines Teams zur Bekämpfung krimineller Organisationen in Bajo Atrato an. Der Druck der paramlitärischen AGC hat jedoch bisher nicht abgenommen.

Während des Treffens der bedrohten Gemeindemitglieder in Bogotá wurde bekannt, dass die AGC auf einen Befehl warteten, um Mitglieder des Gemeinderats von Curvaradó zu töten. Zehn Tage später erfuhr die CIJP von einem Plan zur Ermordung von Kleinbauern der Jiguamiandó-Gemeinde. Auch haben AGC-Männer vergangene Woche einen lokalen Menschenrechtler in der Kreisstadt Riosucio gewarnt, dass sie ihn "wegen seiner Anprangerungen“ töten würden, informiert die ökumenische Organisation.

Die bedrohten Kleinbauern klagten, dass die Sicherheitskräfte nichts gegen die Paramilitärs tun. Außerdem schützten und begleiteten sie die Unternehmer, die hinter den Drohungen der AGC steckten. Neben Agromar seien Turbana Corp, mit Sitz in den USA und weitere Bananen-, Ölpalmen-, und Viehzuchtunternehmen verantwortlich, denen die gewaltsame Vertreibung von Kleinbauern in der Region zugutegekommen sei.

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