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14.02.2018 Mexiko / Menschenrechte

NGO: Staat in Mexiko angesichts verschwundener Minderjähriger untätig

Solidaritätsaktion mit Marco Antonio Sánchez in Mexiko

Solidaritätsaktion mit Marco Antonio Sánchez in Mexiko

Quelle: facebook.com

Mexiko-Stadt. Allein im Jahr 2017 sind in Mexiko 812 Fälle von verschwundenen Kindern und Jugendlichen registriert worden, insgesamt sind 6,257 solcher Fälle registriert. Bei gut 80 Prozent der Verschwundenen unter 18 Jahren handelt es sich um Jugendliche, berichtet das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef.

Die Gefahr des Verschwindenlassens ist bei Mädchen und Jungen zwischen 13 und 17 Jahre am größten. Das Netzwerk für Kinderechte in Mexiko (Redim) spricht in seinem aktuellen Bericht von einer "Epidemie von Verschwindenlassen": Zurzeit gibt es mehr als 30.000 Opfer im Land, 25 Prozent der Opfer sind Mädchen und Jungen.

Trotz dieser hohen Anzahl sei die mexikanische Regierung nicht in der Lage, die Krise der Menschenrechte im Land anzuerkennen. Die bis heute unternommenen Maßnahmen, um die Verschwundenen zu finden, "sind unzureichend, intransparent und unkoordiniert", so Redim. Die Ermittlungen seien nicht tiefgründig genug und die direkte oder indirekte Beteiligung der Sicherheitskräfte bei Fällen von Verschwindenlassen sei nicht auszuschließen. Die Opfer und deren Angehörige hätten so gut wie keinen Zugang zur Justiz, kritisiert das Netzwerk.

Redim berichtet auch über den Fall des 17-jährigen Abiturienten Marco Antonio Sánchez. Er wurde in Mexiko-Stadt von Polizisten festgenommen, als er eine Wandmalerei fotografieren wollte. Er wurde beschuldigt, ein Handy gestohlen zu haben. Bei seiner Festnahme haben die Polizisten ihn brutal geschlagen. Sánchez war fünf Tage verschwunden, bis er im Bundesstaat Mexiko in einem extrem verwirrten Zustand aufgefunden wurde. Obwohl die Polizisten identifiziert wurden und zugegeben haben, ihn festgenommen zu haben, wurden sie bis heute nicht gerichtlich verfolgt und sind weiterhin im Einsatz.

Das Netzwerk kritisiert auch das aktuelle mexikanische Justizsystem als "veraltet und patriarchalisch. Es ermöglicht Straflosigkeit bei Straftaten gegen Kinder und Jugendliche. In diesem System sind Minderjährige juristisch nicht vollständig als Person anerkannt".

Unicef Mexiko berichtet von 6.257 Jugendlichen, die bis November 2017 als verschwunden gemeldet worden sind. Das UN-Kinderhilfswerk verlangt von der Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto dringend Schutzmaßnahmen für Minderjährige. Dabei müssten die Staatsanwaltschaft und andere Justizbehörden einbezogen werden.

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