Erneut Journalist in Mexiko ermordet, internationaler Druck wächst

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Der unabhängige Journalist Carlos Dominguez aus Mexiko: Brutal im Auto erstochen
Der unabhängige Journalist Carlos Dominguez aus Mexiko: Brutal im Auto erstochen

Nuevo Laredo. Der Journalist Carlos Domínguez ist vergangenen Samstag im Zentrum von Nuevo Laredo in Mexiko von bislang Unbekannten in seinem Auto ermordet worden. Die Attentäter stachen mit einem Messer auf den Journalisten ein, als dieser an einer Ampel hielt. Die zuständigen Behörden des Bundesstaats Tamaulipas gehen von einem gezielten Angriff aus, da die übrigen Insassen unverletzt blieben. Über das Motiv der Tat liegen bislang keine offiziellen Informationen vor.

Der 69-jährige Domínguez arbeitete bis 2015 für die Zeitung El Diario de Nuevo Laredo und schrieb seit Mitte 2017 eine Kolumne für die Online-Zeitung Horizonte de Matamoros, in der er die Lokalpolitik und die damit einhergehende Gewalt  beleuchtete. Er kritisierte vor allem die Unfähigkeit der Regierung, für die öffentliche Sicherheit zu sorgen und beklagte einen Anstieg der Anzahl und Brutalität von Gewaltakten im Zuge der anlaufenden Wahlkampagnen zur Präsidentschaftswahl im Juli dieses Jahres. In seiner letzten Kolumne, die am Tag vor seiner Ermordung erschien, schrieb Domínguez: "Die Straflosigkeit hat unser Land in den letzten Jahren dominiert. Es gibt nicht mal eine korrekte Mordstatistik. In fast keinem Fall wurden die Schuldigen identifiziert."

Der Mord an Domínguez provozierte umgehend internationale Reaktionen von Menschenrechtlern und Journalisten. Schließlich war das vergangene Jahr erst mit dem gewaltsamen Tod eines Kollegen im Bundesstaat Veracruz zu Ende gegangen, im Januar war es bereits zu mehrfachen massiven Menschenrechtsverletzungen im südlichen Bundesstaat Guerrero gekommen.

Laut dem hohen Vertreter der Vereinten Nationen für Menschenrechte in Mexiko, Jan Jarab, bestätige das Attentat nochmals "das Risiko, Journalist in Mexiko zu sein, speziell in Tamaulipas". Jarab forderte von den Behörden eine lückelose Aufklärung des Mordes, die auch die journalistische Arbeit von Domínguez in den Fokus nimmt. Die Straflosigkeit "generiert einen Teufelskreis der Gewalt den es sofort zu bremsen gilt", so Jarab weiter. Angesichts der anstehenden Wahl fordert er von den Behörden spezielle Präventivmaßnahmen.

In ähnlicher Schärfe verurteilten den Mord gleichermaßen: Interamerikanische Kommission für Menschenrechte, die Nationale Kommission für Menschenrechte, Interamerikanische Gesellschaft für Presse, Reporter ohne Grenzen, sowie die EU zusammen mit Norwegen und der Schweiz. Letztere beklagten darüber hinaus das Ausmaß der noch immer ungeklärten Journalistenmorde im vergangenen Jahr.

Auch Domínguez’ Kollegen schildern in anonymen Interviews ihre große Betroffenheit und Hilflosigkeit angesichts des Attentats. Tamaulipas steht zusammen mit Veracruz und Oaxaca zuoberst auf Liste der gefährlichsten Bundesstaaten bezüglich der Ausübung der Pressefreiheit in Mexiko. Laut Journalistenverbänden wurden in der Amtszeit von Präsident Enrique Peña Nieto (2012-2018) insgesamt 40 Journalisten aufgrund ihrer Tätigkeit ermordet, zwölf allein im vergangenen Jahr.

Carlos Domínguez wurde am Mittwoch in seinem Geburtsort Nuxco in Técpan de Galeana, Guerrero, beigesetzt.

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