Kolumbien / Ecuador / Politik

Ecuador nicht länger Ort der Gespräche zwischen Regierung von Kolumbien und ELN

kommunique-regierung-eln-kolumbien.jpg

Die Verhandlungsführer der Regierung Kolumbiens und der Guerillaorganisation ELN bestätigen die Fortsetzung der Gespräche an einem neuen Ort
Die Verhandlungsführer der Regierung Kolumbiens und der Guerillaorganisation ELN bestätigen die Fortsetzung der Gespräche an einem neuen Ort

Bogotá/Quito. Der Präsident von Ecuador, Lenín Moreno, hat die Unterstützung seines Landes für die Friedensgespräche zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerillaorganisation Nationale Befreiungsarmee (ELN) beendet. Die Verhandlungen hatten seit ihrem Auftakt im Februar 2017 in Quito stattgefunden. Ecuador fungierte neben Brasilien, Chile, Kuba, Norwegen und Venezuela als eine der Garantiemächte für den Friedensprozess in Kolumbien.

Der Entscheidung von Moreno ging eine Entführung von drei Reportern mit ecuadorianischer Staatsbürgerschaft im Grenzgebiet zwischen Kolumbien und Ecuador, mutmaßlich durch Abtrünnige der inzwischen aufgelösten Farc-Guerilla, voraus. Diese hat mit der Regierung Kolumbiens bereits ein Friedensabkommen ausgehandelt und etabliert sich als legale politische Kraft.

Bereits wenige Tage nach dem für die Opfer tödlichen Ausgang erschüttert eine weitere Entführung von ecuadorianischen Staatsbürgern im Grenzgebiet das Land. Seit Jahresbeginn gab es in dieser Region bereits sieben Anschläge, die wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Drogenhandel stehen. Dabei kamen drei Soldaten ums Leben, 40 Personen wurden verletzt.

Einen Tag nach dem jüngsten Vorfall erklärte Präsident Moreno vor Journalisten, dass er seine Außenministerin María Fernanda Espinosa angewiesen habe, "die Gespräche und unsere Garantenfunktion für den Friedensprozess zu beenden". Moreno machte indirekt die ELN für den Rückzug verantwortlich, die allerdings von keiner Seite als an der Gewalt beteiligt angesehen wird.

Ricardo Patiño, der langjährige Außenminister von Morenos Vorgänger, Rafael Correa, bezeichnete Morenos Entscheidung als "sehr traurig". Ecuador habe sich als Land immer "für den Verhandlungsprozess für den Frieden in Kolumbien eingesetzt". Ihm zufolge rechtfertigen die Gewalttaten an der Grenze eine solche Entscheidung nicht, denn "das eine hat mit dem Anderen nichts zu tun".

Indes hat Kolumbiens Regierung angekündigt, die Friedensgespräche mit der ELN in einem der fünf übrigen Garanten-Staaten fortzusetzen. Man habe "unverzüglich geeignete Verfahren eingeleitet, um diese Gespräche in eines der Länder zu verlegen, die zuvor als Ersatzsitze bestimmt wurden", erklärte Kolumbiens Außenministerin María Ángela Holguín. Auch käme eine abwechselnde Abhaltung der Gespräche in den Garanten-Staaten infrage. Dies sei mit der ELN bereits vorab vereinbart worden.

Holguín bekundete Verständnis für "den Schmerz von Präsident Moreno und den Ecuadorianern" angesichts der tragischen Ereignisse, die an der Grenze verursacht wurden. Sie bekräftigte die Bereitschaft ihrer Regierung, weiterhin mit den Behörden Ecuadors zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, dass die Verantwortlichen dieser Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden.

Zugleich betonte Holguín, man werde "bei der Suche nach Frieden nicht nachlassen" und fügte hinzu: "Wie Präsident Moreno sagt, geht es nicht nur um den Frieden in Kolumbien, sondern auch in der Region."

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr