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Guatemala: Sechs Bauernführer innerhalb eines Monats ermordet

Gezielte Tötungen von Aktivisten, die sich gegen die Verletzung der Rechte der Indigenen einsetzen. Bauernkomitees fordern Aufklärung und Gerechtigkeit
Protestaktion des Bauernkomittees von Altiplano in Guatemala: "Land Entwicklung und Frieden - Die Landreform wird sie bringen"

Protestaktion des Bauernkomittees von Altiplano in Guatemala: "Land Entwicklung und Frieden - Die Landreform wird sie bringen"

Jutiapa/Ixloc San Pedrito, Guatemala. Am Morgen des 4. Juni sind im Verwaltungsbezirk Jutiapa die Leichen der Aktivisten Florencio Pérez Nájara und Alejandro Hernández Garcia gefunden worden. Die beiden Angehörigen des Komitees für bäuerliche Entwicklung (Comité de Desarrollo Campesino) wurden seit dem Vortag vermisst als sie nach einer Versammlung in dem Dorf Yano Largo nicht zurückkehrten.

Der indigene Anführer Ramón Choc Sacrab ist am vergangenen Freitag an den Folgen eines Messerangriffs gestorben. Dies gab das Bauernkomittee von Altiplano (Comité Campesino del Altiplano, CCDA) bekannt, in dem er sich engagierte.

Choc Sacrab war ein Bauernführer des Dorfes Ixloc San Pedrito der Gemeinde Cobán im nördlichen Gebiet Alta Verapaz. Er arbeitete in dem Bauernkomitee mit, das sich für einen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Wandel einsetzt und dabei für die Achtung der Kulturen, Ethnien, Sprachen und Territorien der indigenen Völker eintritt. Eine zentrale Forderung ist die Landreform. Choc Sacrab hatte schon vorher Morddrohungen erhalten und diese den zuständigen Behörden gemeldet. Daraufhin wurde beschlossen, ihn mit Sicherheitsmaßnahmen zu unterstützen. Sie wurden ihm aber nie bereitgestellt. Am Donnerstag nahm er an einer Demonstration der CCDA in Cobán teil. Dort wurde er mit einem Messer am Ohr und an der Halsschlagader verletzt und erlag einen Tag später seinen Verletzungen.

Dieser Mord ist kein Einzelfall, sondern bereits der sechste an einem indigenen Anführer der CCDA und des Komitees für bäuerliche Entwicklung (Comité de Desarrollo Campesino, Codeca), der innerhalb von weniger als einem Monat geschah. Schon zwischen dem 9. und dem 13. Mai starben drei Personen bei verschiedenen bewaffneten Zwischenfällen. Luis Marroquín, Mitglied der Codeca, wurde von zwei Unbekannten in einer Buchhandlung erschossen. Später wurde José Can Xol, ein Gemeindeführer der CCDA in Chotun Basila, Alta Verapaz ermordet. Mateo Chamán Paau war das dritte Opfer. Er war Mitglied der CCDA und wurde im Dorf San Juan Tres Ríos, ebenfalls im Gebiet Alta Verapaz, getötet.

Weitere indigene Aktivisten befinden sich außerdem in Haft. Victoria Tauli-Corpuz, die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für die Rechte indigener Völker, berichtete beispielsweise von Bernardo Caal. Er ist einer der Anführer des Kampfes gegen die OXEC-Staudämme am Fluss Cahabón im Departement Alta Verapaz. Er wurde auf Grund mehrerer Anschuldigungen, wie schweren Raubüberfällen und Anstiftung zu Verbrechen von der Chilte Cooperative, dem mutmaßlichen Verantwortlichen der Ermordung von Can Xol, angeklagt.

Die CCDA verurteilt den Mord an Choc Sabrab und fordert Gerechtigkeit und Aufklärung. Sie verlangt außerdem strenge Strafen für diejenigen, die direkt und intellektuell für die Tat verantwortlich sind. Auch das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte und der Ombudsmann für Menschenrechte in Guatemala, Jordán Rodas, fordern eine Aufklärung der Tat und der drei vorhergegangenen.

Tauli-Corpuz sieht die Ursache der Gewalt im institutionalisierten Rassismus und der Diskriminierung der indigenen Bevölkerung in Guatemala. Ihre Rechte auf ihre Territorien und Ressourcen werden nicht anerkannt. Dies führe dazu, dass viele Indigene gezwungen sind, ihre Häuser zu verlassen, ohne dass sie entschädigt oder adäquat umgesiedelt werden.

Im Jahr 2017 wurden 493 Angriffe auf Menschenrechtsaktivisten in Guatemala dokumentiert, darunter elf Morde. Insbesondere diejenigen, die das Land und die Ressourcen ihrer Gemeinden schützen wollen, werden bedroht und angegriffen. Der guatemaltekische Präsident Jimmy Morales hat nach Angaben der UN-Sonderberichterstatterin erst vor kurzem öffentlich die Arbeit von Menschenrechtsverteidigern kritisiert. Insbesondere zielte er dabei auf die Organisation Codeca, die regelmäßig Proteste gegen die Verletzung der Rechte der indigenen Bevölkerung des Landes durchführt. Die Zivilgesellschaft befürchte, dass die Äußerungen des Präsidenten als grünes Licht für einen Angriff auf Aktivisten gesehen werden könnten, so Tauli-Corpuz.

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