Parlament legalisiert Abtreibung in Argentinien

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Eine Frauenaktivistin verfolgt die Parlamentsdebatte live vor dem Kongress von Argentinien
Eine Frauenaktivistin verfolgt die Parlamentsdebatte live vor dem Kongress von Argentinien

Buenos Aires. Das Abgeordnetenhaus in Argentinien hat mit knapper Mehrheit von 129 zu 125 Stimmen für einen Gesetzesentwurf zur Legalisierung von Abtreibungen gestimmt. Mit einer Marathonsitzung von insgesamt 22 Stunden, in der bis zuletzt das mögliche Abstimmungsergebnis nicht abzusehen war, enden auch Monate öffentlicher Diskussionen, die das Land polarisierten. Frauenrechtlerinnen feiern das Ergebnis.

Bei der Abstimmung wurde der Fraktionszwang aufgehoben, sodass Abgeordnete frei entscheiden und nach eigenem Gewissen entscheiden konnten. Deshalb verlief die Trennlinie zwischen Befürworter und Ablehnenden mitten durch alle Parteien. Zahlreiche Abgeordnete hielten ihre Absichten vor der Abstimmung bedeckt, einige wechselten in letzter Minute noch die Seite. Außergewöhnlich war in dieser Sitzung, dass kein einziger Abgeordneter abwesend war und es sowohl nur einen einzige Enthaltung gab.

Im nächsten Schritt folgt nun die Abstimmung im Senat, die in den nächsten Tagen erfolgen könnte. Ein Termin dafür liegt noch nicht fest.

Das Thema wurde in den letzten Monaten im katholisch geprägten Argentinien lebhaft diskutiert, wobei die Stimmung zuletzt immer weiter aufheizte. Von verschiedenen Seiten wurde Druck auf die Parlamentsmitglieder ausgeübt. Die abschließende Debatte wurde über die ganze Nacht live übertragen und von Tausenden Menschen verfolgt.

Befürworter und Gegner hatten gestern zwei parallel stattfindende Demonstrationen vor dem Parlamentsgebäude organisiert. Die Polizei trennte daraufhin den "Platz der zwei Kongresse" mit Sperrgittern, um die Demonstranten auseinander zu halten. Am Ende war die "grüne Flut", so die Farbe der frauenrechtlichen Bewegung, deutlich zahlreicher vertreten. Tausende der überwiegend weiblichen Demonstrantinnen harrten trotz winterlicher Temperaturen bis zum Vormittag aus. Als das Ergebnis gegen 10:30 Uhr Ortszeit bekannt wurde, brach die Menge in Jubel aus.

Der Gesetzesentwurf bedarf nun noch der Zustimmung des Senats, der vermutlich in der ersten Julihälfte hierzu tagen wird. Die Fraktionsvorsitzenden sowohl des Oppositions- wie auch Regierungsblockes im Senat zeigten sich optimistisch, dass die zweite Kammer das Vorhaben nicht blockiert.

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