Proteste bei Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstagen in Köln

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Aktivisten am Montag vor der deutsch-brasilianischen Wirtschaftstagung in Köln
Aktivisten am Montag vor der deutsch-brasilianischen Wirtschaftstagung in Köln

Köln. Eine bis heute dauernde Konferenz des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und der brasilianischen Confederação Nacional da Indústria (CNI) in Köln ist von Protesten von Nichtregierungsorganisationen begleitet worden. Die Menschenrechtsorganisation Fian Deutschland wies bereits im Vorfeld auf "gravierende Menschenrechtsverletzungen durch die Agrar-Expansion in Brasilien" hin. Dafür seien deutsche Investitionen und Importe mitverantwortlich. Fian war am Montagvormittag an Protesten vor der Kölner Messe beteiligt.

Im September vergangenen Jahres hätten 30 Menschenrechtsverteidiger die sozialen, ökologischen und menschenrechtlichen Konsequenzen der massiven Ausweitung des Soja- und Zuckerrohr-Anbaus im Nordosten Brasiliens recherchiert, hieß es in einer Erklärung der Organisation. Dabei seien Landgrabbing, weit verbreitete Fälschungen von Landtiteln sowie schwere ökologische Schäden dokumentiert worden. "Mitverantwortung hierfür tragen Investitionen internationaler Pensionskassen, unter anderem aus Deutschland, Schweden und den Niederlanden. Pensionsfonds, die weltweit über 40 Billionen US-Dollar halten, investieren seit rund zehn Jahren vermehrt in Agrarland", so Fian Deutschland.

Die Anbauflächen für Sojamonokulturen in Brasilien hätten sich seit dem Jahr 2000 fast verdreifacht und entsprächen heute der anderthalbfachen Agrarfläche Deutschlands. Diese Expansion führe zu Vertreibungen, vor allem von Indigenen, dem Verlust der Artenvielfalt, Pestizidverunreinigungen, schwindenden Wasservorräten und Gesundheitsschäden. "Dies fügt sich in den weltweiten Trend, wonach Land mehr und mehr ein Renditeobjekt für internationales Finanzkapital darstellt und immer weniger für Ernährung und ein Auskommen lokaler Gemeinden zu Verfügung steht", kritisiert die Menschenrechtsorganisation.

Fian Deutschland fordert in diesem Zusammenhang eine staatliche Regulierung von Auslandsinvestitionen, speziell von Pensionsfonds: "Deutsche Aufsichtsbehörden dürfen nicht nur – wie bisher – den Werterhalt solcher Anlagen prüfen, sondern müssen sie auch auf die Einhaltung von Menschenrechten abklopfen und notfalls haftbar machen", so Roman Herre, Agrarreferent von Fian.

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