Freunde von Friedensprozess in Kolumbien planen neue Proteste in Deutschland

Berlin. Unterstützer des kolumbianischen Friedensprozesses in Deutschland haben neue Aktionen angekündigt, um eine nachhaltige Beilegung des sozialen und militärischen Konfliktes zwischen Staat und Guerilla zu fordern. Zugleich protestieren die Aktivisten gegen die massive Zunahme politischer Gewalt rechtsgerichteter Terroristen, die sich unter anderem gegen Vertreter sozialer Organisationen, Friedensgruppen  und Bauern richtet. Die neuen Proteste sollen auf einen weltweiten Aktionstag am 6. Juli folgen, als tausende Unterstützer des Friedensprozesses in dem südamerikanischen Land im mehr als 30 Ländern sowie in 50 Städten Kolumbiens demonstrierten.

"Seit der Unterzeichnung des international vermittelten Friedensabkommens in Bogotá am 24. November 2016 fanden mehr als 200 politisch motivierte Morde statt, begleitet von zahlreichen Angriffen und Morddrohungen", heißt es in einer Erklärung mehrerer Organisationen von Kolumbianerinnen und Kolumbianern in Deutschland. Im Fadenkreuz stünden politische Aktivisten, Menschenrechtler, kommunale Anführer, Indigene, Bauern, Afrokolumbianer, Gewerkschafter, Umweltaktivisten, Verfechter des Friedensabkommens, Mitglieder der Oppositionsparteien und deren Verwandte. Diese Mordserie habe die Aufmerksamkeit internationaler Organisationen auf sich gezogen. "Darunter sind die Vereinten Nationen, die Europäische Union, Amnesty International und wichtige internationale Medien", stellen die Aktivisten fest.

Die Unterzeicher der Erklärung zeigen sich davon überzeugt, dass die humanitäre und soziale Krise durch das aktuelle Wirtschafts- und agroindustrielle Entwicklungsmodell gefördert wird. Dieses System "führt zur systematischen Ermordung und Vertreibung der Landbevölkerung und zur gewalttätigen Enteignung von mehr als acht Millionen Hektar Land". Das werde auch in den Tagebaugebieten ersichtlich, von denen aus jährlich zehn Millionen Tonnen Steinkohle nach Deutschland exportiert werden. In den Abbaugebieten Kolumbiens seien von jeher Gewerkschafter verfolgt worden, die nun wieder von paramilitärischen Strukturen bedroht würden. Ein ähnliches Bild biete sich bei Palmölplantagen.

"Dabei wird der Staat durch unterlassene Hilfeleistung an die Vertriebenen und Straflosigkeit zum Mittäter", meinen die Aktivisten: "90 Prozent der Mordfälle bleiben ungestraft und in 87 Prozent der Fälle wird keine Strafverfolgung angestrebt", konstatiert die Erklärung.

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