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06.08.2018 Brasilien / Menschenrechte

Bewaffneter Überfall auf landlose Bauern in Brasilien

Demonstrationen gegen den jüngsten Angriff auf ein Lager der Landlosenbewegung MST

Demonstrationen gegen den jüngsten Angriff auf ein Lager der Landlosenbewegung MST

Quelle: twitter.com

Marabá, Brasilien. Nach einem Angriff auf das Lager "Hugo Chávez" der Bewegung der Landlosen Bauern (MST) in der Region von Marabá, im nördlichen Bundesstaat Pará hat die MST Anzeige erstattet. Das Lager war vergangene Woche am frühen Morgen von bewaffneten Personen überfallen worden. Die Männer hatten die Menschen bedroht und den Rückzug der Landbesetzer gefordert. Anschließend hatten sie das Feuer auf die Familien eröffnet, teilte die Bewegung über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Es gab keine Schwerverletzten, einige Menschen gelten jedoch seitdem als verschwunden. Fahrzeuge der Landlosen wurden in Brand gesteckt.

Auf der Website des MST wurde bekannt gegeben, dass sich die Angreifer als Polizisten identifiziert und Uniformen und Waffnen der Polizei getragen hätten. Neben den verbrannten Autos wurden auch persönliche Gegenstände, Geld und offizielle Dokumente entwendet und vernichtet, so die Stellungnahme. Am Freitag zuvor hatten 450 Familien, die in Verbindung mit der MST stehen, die Hazienda Santa Teresa besetzt, die seit 2017 nicht bewohnt wird. Die Organisation klagte an, dass die Ländereien nicht umweltschonend behandelt würde und illegal vom Großgrundbesitzer Rafael Saldanha als Eigentum abgesteckt sei.

Die Besetzung des Grundstücke reiht sich in die Schritte ein, die die MST im Kampf für die Agrarreform und die Freiheit des inhaftierten ehemaligen Präsidenten Lula da Silva unternimmt. Bereits seit 2014 sehen sich die Bauern in der Region zahlreichen Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. Gewaltaktionen gegen Mitglieder der Organisation sind nichts Neues. Allein im Jahr 2017 kamen mehr als 70 Menschen zu Tode. Diese Ziffer entspricht einer Zunahme um 15 Prozent zum Vorjahr. Pará ist hierbei der Bundesstaat mit den meisten Todesopfern.

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