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Arbeiter im öffentlichen Dienst in Venezuela demonstrieren für Arbeitsrechte

Metroarbeiter protestieren in Caracas

Metroarbeiter protestieren in Caracas

Caracas. Arbeiter mehrerer Staatsunternehmen in Venezuela haben erneut gegen Niedriglöhne und Angriffe auf Arbeitsrechte protestiert. Aktive und pensionierte Arbeiter des venezolanischen nationalen Stromversorgers Corpolec und des staatlichen Unternehmens für Telekommunikation CANTV haben am Mittwoch die Avenida Libertador, eine der Hauptstraßen von Caracas blockiert. Sie wehren sich gegen die kürzlich von der Regierung eingeführten neuen Gehaltstabellen, die die Löhne vereinheitlichen und Erhöhungen aufgrund des Qualifikationsniveaus oder der Dienstjahre abschaffen

Die neuen Gehälter sowie die Erhöhung der Dienstleistungsgebühren und Transportkosten sind Teil eines umfassenden Pakets von Wirtschaftsmaßnahmen der Regierung, um der tiefen Wirtschaftskrise des Landes zu begegnen. Teil dieser Maßnahmen, die am 20. August eingeleitet wurden, war eine Währungsumstellung mit der Streichung von fünf Nullen, die Anbindung der neuen Währung an die Kryptowährung Petro und eine massive Abwertung des Wechselkurses. In den letzten Wochen wurden zudem neue Devisenvorschriften bekanntgegeben.

Die Regierung ordnete auch eine Erhöhung des Mindestlohns um über 3.000 Prozent an, die sowohl den öffentlichen wie den privaten Sektor betraf. Angesichts der steigenden Inflation bestehen dennoch weiterhin Bedenken hinsichtlich der Kaufkraft der Gehälter im öffentlichen Dienst.

Jesús Conde, Telekommunikationsarbeiter von CANTV, sagte gegenüber der Internetplattform Aporrea, die Gehälter müssten überprüft werden, um sicherzustellen, dass sie ausreichen die Arbeitnehmer und ihre Familien zu unterstützen. Die derzeitigen Löhne seien angesichts der jüngsten Erhöhungen der Servicepreise der staatlichen Firma inakzeptabel. "Es gab Anpassungen der Preise für Internet- und Mobilfunkdienste um über 1.000 Prozent und wir verstehen nicht, warum ein umfassender Plan zur Erholung der Wirtschaft nicht mit den Arbeitnehmern diskutiert werden kann", sagte er. Conde verwies auch auf Artikel 91 der venezolanischen Verfassung. Dieser besagt, dass der Mindestlohn an die Kosten des Grundnahrungsmittelkorbes angebunden werden sollte.

Reynaldo Díaz von der Gewerkschaft der Elektroarbeiter sagte gegenüber Radio Unión, dass die neuen Gehälter nicht helfen werden, um die Abwanderung von Fachkräften in die Privatwirtschaft und ins Ausland einzudämmen, was negative Folgen für die Elektrizitätsversorgung haben werde. Arbeitsminister Eduardo Piñate forderte er zudem auf, die Tarifverträge einzuhalten und die Leistungen der Gesundheitsversorgung für Arbeitnehmer zu überprüfen.

Bereits am Dienstag hatte sich eine Gruppe von aktiven und pensionierten Mitarbeitern der Metro von Caracas vor der Zentrale des Unternehmens versammelt, um Antworten bezüglich der jüngst vorgenommenen Maßnahmen einzufordern. Gemeinsam mit Arbeitnehmern aus anderen Bereichen verwiesen auch sie auf Artikel 91 der Verfassung und äußerten sich besorgt über "Angriffe auf kollektive Tarifverhandlungen" und die Einführung eines einheitlichen Lohns, unabhängig von Qualifikationen oder Dienstjahren.

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