Ecuador / Politik

Ecuador: Prozess gegen Ex-Präsident Correa eingeleitet

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Der Verteidiger von Ecuadors Ex-Präsident Rafael Correa, Caupolicán Ochoa, nach der Verhandlung
Der Verteidiger von Ecuadors Ex-Präsident Rafael Correa, Caupolicán Ochoa, nach der Verhandlung

Quito. Der Oberste Gerichtshof von Ecuador ist dem Antrag von Staatsanwalt Paúl Pérez gefolgt und hat einen Prozess gegen den ehemaligen Präsidenten Rafael Correa sowie drei weitere Personen wegen Gründung einer kriminellen Vereinigung und der versuchten Entführung des Politikers Fernando Balda eingeleitet. Der Verteidiger Correas, Caupolicán Ochoa, legte dem Gericht daraufhin 45 Dokumente und Zeugenaussagen vor, die die Unschuld Correas beweisen sollen und auf Unstimmigkeiten in der Anklage der Staatsanwaltschaft hinweisen. Unter anderem belegte er Widersprüche von Zeugen. Zudem geht der Verteidiger des Ex-Präsidenten davon aus, dass Richterin Daniella Camacho und Staatsanwalt Pérez keine rechtmäßig eingesetzten Vertreter der Justiz sind. Er fordert eine sofortige Einstellung des Verfahrens.

Nach neunstündiger Verhandlung hatte Camacho die Sitzung beendet. Anwälte beider Seiten forderten die Befragung von Zeugen, unter ihnen der ehemalige Außenminister Ricardo Patiño, Ex-Justizminister Alexis Mera sowie Ex-Agenten des Geheimdienstes.

Der ehemalige konservative Abgeordnete Balda war, nachdem er in Ecuador zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde, ins Nachbarland Kolumbien geflüchtet. Er lebte dort drei Jahre mit seiner Familie. 2012 gab es den Versuch einer Entführung durch fünf Personen. Die kolumbianische Polizei verhinderte dies und leitete eine Untersuchung ein. Da offenbar Mitarbeiter des ecuadorianischen Geheimdienstes in die Affäre involviert waren, kam es zu Gesprächen zwischen den Regierungen beider Länder. Kolumbien lieferte Balda an Ecuador aus, wo er dann seine Haft verbüßte.

Ob und wann der Prozess gegen Correa fortgesetzt wird, ist zurzeit nicht abzusehen.

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