Brasilien / Politik

Polarisierung und Kampf der Umfragen eine Woche vor Stichwahl in Brasilien

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Demo für Bolsonaro in Brasilien: Wie viele sind freiwillig gekommen, wie viele wurden zur Teilnahme gezwungen?
Demo für Bolsonaro in Brasilien: Wie viele sind freiwillig gekommen, wie viele wurden zur Teilnahme gezwungen?

Brasília. Eine Woche vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien geht der Wahlkampf beider Kandidaten in die heiße Phase. Zugleich kursieren in brasilianischen und lateinamerikanischen Medien widersprüchliche Umfrageergebnisse: Das Umfrageinstitut Ibope prognostizierte Anfang dieser Woche 50 Prozent für den rechtsextremen Kandidaten Jair Bolsonaro und 41 Prozent für den Präsidentschaftsanwärter der linksgerichteten Arbeiterpartei (Partido dos Trabalhadores, PT), Fernando Haddad. Das Ergebnis stimmt mit einer Prognose des Umfrageinstituts Datafolha überein. Eine Erhebung des Meinungsforschungsunternehmens Vox Populi kommt hingegen auf eine knappere Differenz von sechs Prozent zwischen den Kandidaten: Ihm zufolge wollen 53 Prozent für Bolsonaro stimmen und 47 Prozent für Haddad.

Die brasilianische Tageszeitung Folha do São Paulo weist indes auf die massive Polarisierung und den Personenbezug bei der Wahl hin. Die Inhalte der Wahlprogramme, berichtet das Blatt, spielten kaum mehr eine Rolle. Von den Anhängern Bolsonaros würden nur zwölf Prozent mit politischen Positionen des Kandidaten argumentieren, um ihre Wahlpräferenz zu begründen. Bei den Anhängern der PT und ihres Kandidaten Haddad liegt diese Quote mit 15 Prozent nur geringfügig höher.

Bolsonaro sucht indes öffentlich den Schulterschluss mit anderen rechtsgerichteten Kräften in Lateinamerika. So berichteten mehrere Medien über ein Telefonat des ehemaligen brasilianischen Militärs mit dem konservativen Präsidenten von Argentinien, Mauricio Macri. Dabei sei "im freundschaftlichen Rahmen um den laufenden Wahlkampf in Brasilien und die Beziehungen beider Länder gegangen".

PT-Kandidat Haddad kündigte unmittelbar vor der Wahl eine Initiative an, um Anhänger der in Brasilien starken evangelikalen Sekten auf seine Seite zu ziehen. Evangelikale Gruppen kontrollieren einen Großteil des Parlaments und gelten als starke politische Kraft, die eher zur politischen Rechten tendiert.

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