Nicaragua / Politik

Nicaragua: Universität nimmt Betrieb wieder auf, Rolle der Kirche weiter umstritten

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An der Politechnischen Universität Nicaraguas (UPOLI) wird nach fünfmonatiger Pause wegen der heftigen Proteste wieder unterrichtet
An der Politechnischen Universität Nicaraguas (UPOLI) wird nach fünfmonatiger Pause wegen der heftigen Proteste wieder unterrichtet

Managua. Nach mehr als fünf Monaten hat am Dienstag wieder der Universitätsbetrieb an der UPOLI (Polytechnische Universität Nicaraguas) begonnen, der infolge der Besetzung durch Studenten und der nachfolgenden Räumung eingestellt worden war. Während der Proteste gegen die Regierung von Präsident Daniel Ortega, bei denen Hunderte zu Tode kamen, war die Universität seit dem 18. April eines der wichtigsten Zentren der Opposition.

Entsprechend nervös reagierten die Sicherheitskräfte auf den Studienbeginn. Im Umfeld der Universität patrouillierte eine größere Zahl von Polizeikräften, um durch ihre Präsenz neuerliche Proteste zu verhindern. Auf umliegenden Verkehrsinseln zeigten Anhänger der Regierung Präsenz. Die Wiederaufnahme des Unterrichtsbetriebs an der UPOLI verlief störungsfrei.

Nach den öffentlichen Auseinandersetzungen um die Rolle der Kirche als Mit-Initiatorin der Proteste von Regierungsgegnern und der Aufforderung zu neuen Straßensperren im Land durch Weihbischof Silvio Báez erklärte Kardinal Leopoldo Brenes inzwischen, dass die Kirchen Orte des Gebetes und nicht des Protestes seien. Der Erklärung des Kardinals war unter anderem eine Unterschriftensammlung der Christlichen Gemeinschaft des Apostels Paulus unter katholischen Gemeindemitgliedern im Land vorausgegangen, bei der innerhalb von wenigen Tagen fast 500.000 Menschen von Papst Franziskus die Abberufung von Báez forderten. Kardinal Brenes hatte die Initiatoren der Unterschriftensammlung zuvor als "kleine Gruppe" bezeichnet.

Rafael Valdez, der Koordinator der apostolischen Gemeinschaft des Heiligen Paulus, sagte bei der Übergabe der zweiten Lieferung von Unterschriften vor der Nuntiatur in Managua: "Dieser Brief, den wir an Papst Franziskus geschickt haben, findet eine enorme moralische, geistliche und christliche Unterstützung, weil wir alle Kirche sind."

Einige Tage nach der Veröffentlichung der problematischen Audio-Aufnahmen seiner umstrittenen Aussagen hatte Bischof Báez noch erklärt, dabei handle es sich um eine Fälschung und er werde bald Beweise vorlegen. Auf diese Beweise des nach Costa Rica abgereisten Kirchenmanns warten Nicaraguas Gemeindemitglieder noch.

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