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Mexikos Präsident stellt Nationalen Raffinerieplan vor

Amlo kündigt Investitionen in den Erdölsektor und Kampf gegen Korruption an. Eigene Petrochemie soll Selbstversorgung innerhalb von drei Jahren erreichen

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Mexikos Präsident López Obrador bei seiner Ansprache vor Pemex-Mitarbeitern In Tabasco
Mexikos Präsident López Obrador bei seiner Ansprache vor Pemex-Mitarbeitern In Tabasco

Villahermosa, Tabasco. Mexikos neuer Präsident Andrés Manuel López Obrador (Amlo) hat seinen Nationalen Raffinerieplan vorgelegt. Er beklagte das Ausbleiben ausländischer und das Fehlen öffentlicher Investitionen in der Vergangenheit und stellte der unter seinem Vorgänger Enrique Peña Nieto vor vier Jahren durchgeführten Energiereform ein denkbar schlechtes Zeugnis aus.

Mit der Reform wollte die Regierung Peña Nieto die angeschlagene Erdöl- und Erdgasindustrie modernisieren. Ziel war eine bessere Konkurrenzfähigkeit Mexikos. Die zuvor staatlich regulierte Produktion von Erdöl und Erdgas verlief fortan größtenteils über private transnationale Wirtschaftsakteure. Auf internationaler Ebene, vor allem in den USA als Hauptabnehmer des Rohöls, wurde die Umstrukturierung begrüßt. Sie bedeutete auch, dass die USA nach 75 Jahren wieder über direkten Zugriff und Kontrolle über die mexikanischen Ölreserven verfügen können. Deren Wert wird auf knapp drei Billionen US-Dollar geschätzt.

Amlo kündigte nun an, der staatlichen mexikanischen Erdölgesellschaft Petróleos Mexicanos (Pemex) im Jahr 2019 zusätzlich 75 Milliarden Pesos (circa. 3,75 Milliarden Euro) zur Verfügung zu stellen. In Bezug auf den anvisierten Betrag erklärte López Obrador, es fehle nicht an Geld, sondern es gebe zu viel Korruption. Als Beispiel führte er an, dass in die Modernisierung von drei der sechs existierenden Raffinerien angeblich acht Milliarden US-Dollar investiert worden seien. Trotzdem würden die drei alten Raffinerien in Salina Cruz, Tula und Salamanca mehr produzieren als die modernisierten in Minatitlán, Cadereyta und Madero. Es seien außerdem internationale Unternehmen nach Mexiko gekommen, "um ihren Reibach zu machen".

Trotz vorhandenen Rohöls decke das Land 75 Prozent seines Kraftstoffbedarfs aus Importen und nur ein Viertel aus eigener Produktion, führte Amlo in seiner Ansprache vor Pemex-Mitarbeitern aus. Obwohl es eine schwierige Aufgabe sei, soll innerhalb der nächsten drei Jahre die Selbstversorgung erreicht werden, um dadurch die Kraftstoffpreise senken zu können. Für die Entwicklung einer eigenen Petrochemie würden die derzeitigen Mittel nicht ausreichen. Drei Ziele haben daher für den Präsidenten Vorrang: Die Gewinnung und das Raffinieren von Rohöl sowie die Stromproduktion. Bis 2024 soll eine Tagesproduktion von 2,4 Millionen Barrel erreicht werden. Spätestens für März nächsten Jahres ist die Ausschreibung für die Errichtung einer neuen Raffinerie im Hafen von Dos Bocas im Bundesstaat Tabasco geplant, die zu diesem Ziel mit 300.000 bis 400.000 Barrel täglich beitragen soll. Dafür sind Investitionen in Höhe von 160 Milliarden Pesos (rund sieben Milliarden Euro) im Verlauf von drei Jahren vorgesehen.

López Obrador erklärte weiter, der derzeitige Pemex-Direktor, Octavio Romero Oropeza sei die Person mit den nötigen Voraussetzungen, um die Reform des Ölsektors jetzt voranzubringen. Den anwesenden Pemex-Arbeitern rief er zu, dass die Zeit staatlich kontrollierter Gewerkschaften vorbei sei und dass die Gewerkschaftsführer künftig in freier und geheimer Wahl bestimmt werden sollen.

Energieminister Rocío Nahle betonte die Dringlichkeit der Maßnahmen, die sofort begonnen werden müssten, denn Ende des Jahres würde Mexiko das größte Defizit seiner Geschichte in der Ölhandelsbilanz haben.

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