Mapuche in Chile protestieren gegen Militarisierung und Landraub

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Mapuche-Gemeinden in Chile fordern ein Ende der Militarisierung und die Rückgabe ihrer Ländereien
Mapuche-Gemeinden in Chile fordern ein Ende der Militarisierung und die Rückgabe ihrer Ländereien

Temucuicui, Chile. Seit der Tötung von Camilo Catrillanca am 14. November 2018 lassen die Proteste gegen die Politik der Regierung in Chile nicht nach. Der 24-jährige Mapuche-Indigene war auf dem Weg von der Feldarbeit von Polizisten einer Spezialeinheit von hinten erschossen worden. In Folge des Skandals um die juristische Aufarbeitung und versuchte Vertuschung des Mordes mussten zahlreiche ranghohe Polizisten zurücktreten.

Die Gemeinde Temucuicui, der Catrillanca angehörte, hatte nach einem Treffen mit verschiedenen Mapuche-Gemeinden zu Aktionen am 27. und 28. Dezember aufgerufen. Viele weitere folgten dem Aufruf und besetzten verschiedene Farmen in den Regionen Bío-Bío und Araucanía. Die Proteste richten sich gegen die Militarisierung des von Mapuche bewohnten Gebiets und den daraus folgenden Tod Catrillancas. Zudem verlangen sie von Chile kolonisiertes Land zurück, auf dem aktuell vor allem umweltschädliche Eukalyptus- und Kiefernplantagen betrieben werden. Rodrigo Kuripan, Sprecher der Gemeinde Rankilko in Malleco, erklärte: "Wir fordern, dass die politisch Verantwortlichen für den Tod von Camilo Catrillanca genauso stürzen wie die unmittelbar Verantwortlichen gestürzt sind, auch wenn klar ist, dass es mehr involvierte Polizisten gibt." Mittlerweile wird gegen sechs aus dem Dienst entfernte Polizisten wegen Mordes und Behinderung der Ermittlungen ermittelt.

Unterdessen wurde offenbar ein weiterer Mapuche getötet: Der traditionelle Anführer der Gemeinde Raquem Pillán, Lonko Juan Mendoza, war am 29. Dezember verschwunden und wurde am 31. Dezember tot aufgefunden. Erste Ermittlungen der Polizei ergaben, dass er vor seinem Tod verprügelt wurde. Mendozas Sohn Víctor war 2014 von Unbekannten, sein Neffe Jaime Mendoza Collio  2009 von einem Polizisten erschossen worden. Lonko Mendoza hatte nach einem langen Rechtsstreit Anfang der 2000er-Jahre dem Forstunternehmen Arauco 500 Hektar Land abgetrotzt. Die Gemeinde Raquem Pillán liegt, genau wie die Gemeinde Temucuicu, in der Nähe von Ercilla. Gemeindesprecher fordern die Polizei auf, die Hintergründe des Todes aufzuklären.

Von Seiten der Regierung wird derweil die Gangart weiter verschärft. Nach Druck aus den eigenen Reihen droht sie angesichts der anhaltenden Proteste damit, das "Gesetz zur Sicherheit des Staates" in der Region Araucanía anzuwenden. Damit kann sonst nicht strafbares Handeln kriminalisiert werden, beispielsweise der Aufruf zur Störung der öffentlichen Ordnung oder Streiks. Außerdem ermöglicht es dem Präsidenten, den Ausnahmezustand auszurufen. "In den letzten Tagen gab es eine Reihe von Aktionen und Aufrufen zur Gewalt, die die öffentliche Ordnung in Araucanía gestört haben", sagte Innenminister Andrés Chadwick zur Begründung.

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