Brasilien: Themenkarte zu Umweltkastrophen des Vale-Konzerns veröffentlicht

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Diese Karte verzeichnet die Konflikte um den Vale-Konzern in Brasilien
Diese Karte verzeichnet die Konflikte um den Vale-Konzern in Brasilien

Barcelona. Anlässlich des internationalen Aktionstags für Flüsse am 14. März hat das internationale Forschungsprojekt zu Umweltgerechtigkeit eine Schwerpunktkarte veröffentlicht, die durch den Vale-Konzern verursachte Umweltkatastrophen und soziale Auseinandersetzungen vor allem in Brasilien aufzeichnet.

Die Themenkarte "¡Esto no Vale! Isso não Vale!" (Das gilt nicht!) enthält eine Liste einzelner Fälle von Umweltkonflikten, Kartenmaterial und mehrsprachige Hintergrundtexte im Zusammenhang mit Bergbau- und Industrieprojekten des Vale-Konzerns. Hierzu zählen beispielsweise die Dammbrüche der Rückhaltebecken von Eisenerzminen in Mariana (2015) und Brumadinho (Januar 2019), die hunderte Menschen das Leben kosteten und verseuchte Flüsse und Böden zurückließen.

Der Konzern wurde 1942 unter der Diktatur von Präsident Getulio Vargas mit dem Ziel gegründet, Brasiliens natürliche Ressourcen auszuschöpfen und die wirtschaftliche Industrialisierung voranzutreiben. Die Companhia Vale do Rio Doce wuchs schnell und breitete sich sektoral und geographisch aus. Mit Beginn der 1980er Jahre expandierte der Konzern in Aktivitäten im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará und wurde 1997 privatisiert. Heute ist Vale eines der drei größten Bergbauunternehmen der Welt.

Laut dem Bergbau-Informationssystem  verfügt der Konzern aktuell über 1.630 Bergbau-Konzessionen in Brasilien, die sich über ein Gesamtgebiet von 53.977 Quadratkilometer erstrecken. Neben jenen in Brumadinho und Mariana besitzt Vale laut der Bergbauagentur überdies weitere 160 Rückhaltedämme, von denen 65 als schadens- oder einbruchsgefährdet eingestuft werden. Ihr Standort ist auf der Karte durch das Aktivieren der Rückhaltedamm-Ebene ersichtlich.

Die Autoren der Karte resümieren: "Allen analysierten Fällen gemeinsam ist das Fehlen grundlegender sozial-ökologischer Verpflichtungen. Während der Nutzen vornehmlich im Privat- und Finanzsektor bleibt, schafft es der Konzern Vale seit langer Zeit, jegliche Verantwortung abzuschieben." Daher gebe es auch eine "andauernde Mobilisierung in Brasilien und andernorts zur Unterstützung der Opfer der Mariana- und Brumadinho-Verbrechen". Diese fordern ein Ende der Straffreiheit solcher Vorfälle. Zudem geht es um eine Kritik an den postkolonialen Strukturen der Wirtschaft: "Ein deratiges Modell verstärkt die Exportabhängigkeit von Primärgütern in Ländern des Globalen Südens." Es führe zu "Ungleichverteilung von Umweltzerstörung und ökologischen Kosten, während betroffene lokale Gemeinden einer Vielzahl an Ungerechtigkeiten und einem ständigen Risiko weiterer Katastrophen ausgesetzt sind".

Der Online-Atlas zur Umweltgerechtigkeit von ENVJUSTICE ist ein 2011 gegründetes, von der Europäischen Union finanziertes Forschungsprojekt von Wissenschaftlern, die zu Umweltgerechtigkeit arbeiten. Es ist angesiedelt am Institut für Umweltwissenschaft und Technologie (ICTA) der Autonomen Universität Barcelona. Die Publikation des Forschungsteams zum internationalen Tag des Schutzes der Flüsse will zu den globalen Bemühungen von Umweltbewegungen beitragen, um Gerechtigkeit wiederherzustellen und die Straflosigkeit großer Konzerne zu stoppen.

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