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Feiern und Proteste zum 55. Jahrestag des Militärputsches in Brasilien

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"Nie wieder Diktatur": Tausende gingen in Rio de Janeiro und zahlreichen anderen Städten am 31. März auf die Straße
"Nie wieder Diktatur": Tausende gingen in Rio de Janeiro und zahlreichen anderen Städten am 31. März auf die Straße

Brasília. Am 55. Jahrestag des Militärputsches vom 31. März 1964 in Brasilien haben in Kasernen des Landes Aufmärsche und Feiern mit der Verlesung eines "Tagesbefehls" zum Thema stattgefunden. Präsident Jair Bolsonaro hatte das Verteidigungsministerium beauftragt, "diskrete und angemessene Gedenkveranstaltungen" zu organisieren.

Laut der brasilianischen Wahrheitskommission sind 434 Menschen unter der Diktatur (1964–1985) getötet oder verschleppt worden. Während der Militärherrschaft erlebte das Land eine Phase wirtschaftlichen Aufschwungs. Zensur war an der Tagesordnung. Der Nationalkongress wurde geschlossen, politische Parteien waren verboten, es gab keine direkten Wahlen. Ex-Präsidentin Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei, als Studentin politische Gegangene und Folteropfer, hatte unter ihrer Regierung 2012 alle Feiern zum 31. März aus dem offiziellen Kalender der brasilianischen Armee streichen lassen.

Am vergangenen Sonntag sind die Feiern zur Erinnerung an die Machtübernahme erstmals wieder erlaubt worden. Zu dem Anlass hat das Präsidentenamt per Whatsapp ein zweiminütiges Video mit der Botschaft verbreitet: Das Militär habe 1964 seine Aufgabe erfüllt, Brasilien vor der bevorstehenden kommunistischen Revolution "zu retten". Diese Sichtweise wird in den Geschichtsbüchern des Landes abgelehnt.

Als früherer Falschirmjäger hatte der ultrarechte Bolsonaro in der Vergangenheit immer wieder offen seine Sympathien für die Militärdiktatur geäußert. Acht seiner 22 Minister sind Angehörige des Militärs.

Menschenrechtsorganisationen kritisierten, dass in dem Wortlaut des am Sonntag in den Kasernen verlesenen "Tagesbefehls" die Verbrechen der Diktatur nicht erwähnt werden. In den Städten demonstrierten viele Bürger, Mitglieder sozialer Bewegungen und Gewerkschafter mit Schildern wie "Nie wieder Diktatur". Sie zeigten Fotos getöteter Regimegegner und von Folteropfern.

Fernando Haddad, Ex-Bürgermeister von São Paulo und unterlegener Kandidat der Arbeiterpartei bei der Präsidentschaftswahl 2018, kritisierte: "Mit der Verbreitung des Pro-Putsch-Videos zerreißt Bolsonaro die Verfassung von 1988. Das ist ein Verbrechen gegen die Demokratie. Er bricht den Präsidenteneid."

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