128 ermordete Farc-Mitglieder seit Friedensabkommen in Kolumbien

Kleinkind stirbt bei Angriff gegen Farc-Mitglieder. Friedensprozess in Gefahr. Drohungen gehen weiter

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Sowohl die Agentur als auch die Vereinten Nationen zeigen sich besorgt über den Friedensprozess
Sowohl die Agentur als auch die Vereinten Nationen zeigen sich besorgt über den Friedensprozess

Bogotá. Seit dem Abschluss des Friedensvertrags zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-EP am 24. November 2016 sind schon 128 ehemalige Kämpfer der früheren Guerilla-Organisation und heutigen politischen Partei umgebracht worden. Das berichtete am Montag Andrés Stepper, Direktor der dem Präsidenten unterstellten Agentur für die Wiedereingliederung und Normalisierung Kolumbiens (Agencia para la Reincorporación y la Normalización de Colombia), auf einer Pressekonferenz.

Zuletzt wurde ein sechs Monate altes Kleinkind Opfer eines Angriffs. Die Kugeln hatten Samuels Eltern gegolten, dem ehemaligen Guerillero Carlos Enrique G. und seiner indigenen Ehefrau. Das Paar wurde durch die Kugeln verletzt. Die drei Personen waren auf dem Weg zu einem Familienbesuch, als auf sie geschossen wurde. Der Ex-Kämpfer der Frente 41 lebt mit seiner Frau und ihrem gemeinsamen Kind in der Reintegrationszone Tierra Grata im Department Cesar. Samuel kam dort nach Friedensabschluss zur Welt und zählte zu den "Kindern des Friedens".

Stepper verurteilte die Morde, unterstrich jedoch gleichzeitig, dass die Regierung schon über 199 Schutzprogramme für Ex-Angehörige der FARC-Guerilla durchführe. Die Aufklärung der Tötungen liege nun in der Hand der Generalstaatsanwaltschaft. Vor einigen Monaten hatte der Berater für die Umsetzung des Friedensabkommens, Emilio Archila, behauptet, dass der Großteil der untersuchten Morde Resultate von Konflikten zwischen Kriminellen seien. Gleichzeitig bezeichnete er den Schutz für die Wiedereingliederungszonen der ehemaligen FARC-Kämpfer von Seiten des Staates als ausreichend.

Die Pressekonferenz war nach dem Tod des kleinen Samuels am vergangenen Sonntag einberufen worden, nachdem die Tat große Bestürzung ausgelöst hatte. Nachdem sein Sohn bei dem Mordanschlag gestorben war, forderte der Vater des Kindes nun eine lückenlose Aufklärung des Anschlags.

Victoria Sandino, Senatorin der Guerilla-Nachfolgepartei Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes (Farc), forderte die Regierung derweil auf, die Morde an den Ex-Kämpfern der demobilisierten Guerilla umgehend zu unterbinden. Der kolumbianische Staat müsse alle geschehenen Verbrechen aufklären und das Leben der Genossen ausreichend schützen, so Sandino weiter. Auch der Chef der UNO-Mission zur Beobachtung des Friedensprozesses in Kolumbien, Raúl Rosende, stellte fest, dass von Seiten des Staates mehr zum Schutz der ehemaligen Kämpfer getan werden müsse.

Seit dem offiziellen Friedensabschluss und der Wiedereingliederung der ehemaligen Guerillaorganisation in das zivile Leben reißt die Gewalt gegen Oppositionelle und Linke in Kolumbien nicht ab. Dabei werden sowohl ehemalige Kämpfer der Guerilla als auch soziale und Menschenrechtsaktivisten regelmäßig Opfer von Mordanschlägen. Bis zu 600 Morde werden laut unterschiedlicher Stellen gezählt.

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