Venezuela / Militär / Politik

Regierung von Venezuela: Neuer Putschplan aufgedeckt

Ex-Soldaten und Polizisten sollen Sturz Maduros vorbereitet haben. Regierung wirft Kolumbien, Chile und USA Förderung und Finanzierung von Putschisten vor

venezuela_jorge-rodriguez_putschplan.jpg

Venezuelas Informationsminister Rodríguez informierte über die Aufdeckung angeblicher Verschwörungsnetzwerke
Venezuelas Informationsminister Rodríguez informierte über die Aufdeckung angeblicher Verschwörungsnetzwerke

Caracas. Als "terroristisch" hat Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro den nach Angaben seiner Regierung aufgedeckten neuen Putschplan bezeichnet. Informationsminister Jorge Rodríguez hatte am Mittwoch informiert, eine Gruppe ehemaliger Soldaten und Polizisten habe einen Umsturzversuch und eine Reihe gezielter Morde vorbereitet. Laut dem Minister hat der Geheimdienst des Landes über 14 Monate hinweg Informationen über die Planungen gesammelt und "alle Aspekte dieses Staatsstreichs aufdecken" können. Bei den wichtigsen Treffen der Verschwörer hätten die Behörden eingeschleuste Informanten gehabt.

Die Überwachung habe umfangreiches Videomaterial über Gespräche, die Übergabe von Waffen und Geld ergeben, das die Militärstaatsanwaltschaft bereits als Beweismittel anerkannt habe. Zudem lägen Geständnisse einiger der Festgenommenen vor, erklärte Rodríguez weiter, der in einer landesweit im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz Details der angeblichen "Verschwörungsnetzwerke" nannte und Videoaufzeichnungen vorführte.

Die Verurteilung der angenommenen Verschwörung als terroristisch durch Präsident Maduro bezieht sich auf die Pläne, die die Aufzeichnungen offenbart haben sollen. So sei bei Treffen von einem "Gemetzel" gesprochen worden, das stattfinden müsse. 60 Mitglieder der sogenannten Colectivos in den Stadtvierteln 23 de Enero und Sucre in Caracas sollten getötet werden. Zudem seien Attentate gegen seine Person sowie Ehefrau Cilia Flores, den Vorsitzenden der verfassunggebenden Versammlung, Diosdado Cabello und weitere hochrangige Funktionäre geplant gewesen.

Bei den "Colectivos" handelt es sich um organisierte chavistische Basisgruppen, die in allen Belangen ihrer Gemeinden aktiv sind, dabei auch Schutzfunktionen übernehmen und teilweise bewaffnet sind.

Nach den präsentierten Ermittlungsergebnissen sollten neben den Mordanschlägen drei Kampfgruppen am 23. und 24. Juni Waffenlager der Streitkräfte stürmen und den Luftwaffenstützpunkt La Carlota einnehmen. Der inhaftierte Ex-General Raúl Baduel sollte aus dem Gefängnis befreit werden und sich im staatlichen Fernsehen als neuer Präsident Venezuelas präsentieren. Baduel war einst ein Weggefährte des verstorbenen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez, bis dieser ihn 2007 seines Postens als Verteidigungsminister enthob. Es habe allerdings interne Kämpfe zwischen denen gegeben, die Baduel wollten, und jenen, die den selbsternannten Interimspräsidenten Juan Guaidó anerkennen. Der Präsidentenpalast sollte angegriffen, Präsident Maduro gefasst und getötet werden, führte Rodríguez aus und beschuldigte dabei auch Guaidó einer Verwicklung in die Pläne.

Man habe ebenfalls eine direkte Beteiligung "kolumbianischer Terroristen" nachgewiesen, führte der Informationsminister weiter aus. Dem Präsidenten von Kolumbien, Iván Duque, sowie den Regierungen Chiles und der USA warf er vor, "Förderer und Finanziers“ von Putschversuchen gegen die Regierung von Venezuela zu sein.

Kolumbiens Außenminister Carlos Holmes Trujillo äußerte sich dazu bei einer Pressekonferenz: Sein Land handle in Bezug auf die Situation in Venezuela "auch weiterhin mit politischen und diplomatischen Mitteln".

Auch Guaidó wies die Anschuldigungen zurück. Er und seine Gefolgsleute forderten die Streitkräfte lediglich auf , "sich auf die Seite der Verfassung zu stellen", sagte er gegenüber der Presse. Der selbsternannte Übergangspräsident war erst kürzlich mit einem Putschversuch gescheitert. Im Beisein einer kleinen Gruppe von Soldaten hatte er am 30. April zum Sturz von Maduro aufgerufen und die Armee sowie die Bevölkerung vergeblich zur Beteiligung aufgefordert.

Die Informationen der Regierung von Venezuela lassen bisher keine Rückschlüsse zu, welche personellen und militärischen Mittel den mutmaßlichen Putschisten zur Verfügung gestanden hätten, um ihre Absichten umzusetzen.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr