Deutsches Unternehmen setzt US-Embargo gegen Venezuela um

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Mitteilung des SEDO-Teams an Kunden in Venezuela
Mitteilung des SEDO-Teams an Kunden in Venezuela

Montabaur/Caracas. Die deutsche Firma Sedo, ein international tätiger Domainhändler, hat am Dienstag sämtliche Konten venezolanischer Bürger und Unternehmen "mit sofortiger Wirkung" geschlossen.

Venezuela werde "vom US-Finanzsystem als Hochrisikoland eingestuft" und die US-Regierung habe Sanktionen verhängt, die "direkte Auswirkungen auf unsere Geschäftsbeziehungen und die unserer Tochtergesellschaft in den USA haben", so die Begründung. In dem Sedo-Schreiben heißt es weiter, man habe als Politik festgelegt, "keine Finanztransaktionen mit Kunden in Ihrem Land durzuchführen, ob im Zusammenhang mit dem Verkauf oder dem Parken von Domains".

Diese Mitteilung erhielten bei Sedo registrierte Venezolaner, die am Dienstag versuchten, auf ihre Domains zuzugreifen. Diese würden automatisch auf "unverkäuflich" umgestellt. Im Fall einer Lockerung der Sanktionen "freuen wir uns, unsere Geschäftsbeziehungen und den Geschäftsverkehr mit Ihnen wieder aufzunehmen", so die Tochterfirma von United Internet. Laut Wikipedia besitzt United Internet zahlreiche Marken, Tochtergesellschaften und Beteiligungen, darunter GMX und Web.de. Besondere Bedeutung komme der Tochter 1&1 zu, die zu den fünf größten Webhosting-Unternehmen weltweit gehört und auch bei der Registrierung von Domains zu den größten zehn Anbietern gehört.

Ein Betroffener in Venezuela, der seit Jahren mehrere Domains bei Sedo unterhielt, berichtet, er habe das Firmenschreiben keine zwölf Stunden nach Unterzeichnung des neuen Dekrets durch US-Präsident Donald Trump per E-Mail erhalten. Er richtete sich an Oppositionelle, die die Strafmaßnahmen begrüßen, da sie doch nur der Regierung schadeten: "Benutzt ihr Internet, Telefon und Kabel? Genial, alle privaten Anbieter treiben Handel mit den USA und eure Lieferanten von Ausrüstung, Technologie und Lizenzen ebenfalls."

Trump hatte in der Nacht zum Dienstag angeordnet, alle Vermögenswerte der venezolanischen Regierung in den USA einzufrieren; alle Arten von Transaktionen sind verboten, ebenso die "Bereitstellung von Geldern, Waren oder Dienstleistungen durch oder zugunsten einer Person, deren Eigentum und Interessen durch diese Anordnung blockiert sind".

Venezuelas Regierung bezeichnete die Maßnahme als "wirtschaftlichen Terrorismus" und forderte, dass der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eingreift und "die UN-Charta geltend macht, das Völkerrecht verteidigt und den Frieden sicherstellt".

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