Staat in Kolumbien reagiert mit Ausgangssperren und Militär auf Mega-Streik

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"Mutige Frauen" in Cali, Kolumbien
"Mutige Frauen" in Cali, Kolumbien

Bogotá. Am gestrigen Donnerstag haben in Kolumbien massive Proteste gegen die Politik von Präsident Iván Duque stattgefunden. In vielen Städten wurde die Arbeit niedergelegt, es gab Demonstrationen und Protestaktionen. Im ganzen Land reagierten Polizei und Militär mit massiver Repression auf die Kritik an Kürzungen im sozialen Bereich und einer unzulänglichen Friedenspolitik.

In der Hauptstadt Bogotá blockierten Demonstranten seit dem Morgengrauen zentrale Verkehrsstraßen, es kam den ganzen Tag über zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei und deren Sondereinheiten zur Aufstandsbekämpfung (Escuadrón móvil anti-disturbios, Esmad).

In Medellín waren seit den frühen Morgenstunden vor allem Studenten der staatlichen Universität auf der Straße, dazu kamen im Laufe des Tages Tausende Schüler, Lehrergewerkschaften, Arbeiter, Rentner und Künstler.

Der Bürgermeister von Cali, Maurice Armitage, erklärte am Nachmittag als Reaktion auf die massenhaften Proteste eine Ausgangssperre ab 19.00 Uhr (Ortszeit). Er drohte in Fernseh- und Radiointerviews damit, jede Person, die sich nach der angegebenen Uhrzeit auf der Straße befindet, ohne Zögern festnehmen zu lassen. Mehr als 20.0000 Menschen hatten in der südlichen Stadt protestiert, es sei zu Ausschreitungen und Plünderungen von Geschäften gekommen.

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Blockaden im Süden von Kolumbien
Blockaden im Süden von Kolumbien

Auch im Departamento Cauca, das von jeher von sozialen Protesten geprägt ist, kam es zu massiven Protesten und Straßenblockaden. Gegen 16.00 am Nachmittag griff die Polizei mit Waffen- und Tränengaseinsatz hart durch.

Massenhafte Mobilisierungen gab es auch in Cartagena, Barranquilla und Buenaventura sowie Hunderten Provinzstädten wie Tunja und Ibagué. In der Grenzstadt Cúcuta marschierten auch Hunderte Venezolaner mit.

Aber auch international haben die Demonstranten Solidarität erlebt, so aus Lyon, Brüssel, Berlin und anderen europäischen Städten. Solidaritätsaktionen haben vor der kolumbianischen Botschaft in London stattgefunden. Auch in Lateinamerika gab es zahlreiche Demonstrationen, so unter anderem in Venezuela, Ecuador und Argentinien.

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