Ecuador kündigt Kooperation: Kubanische Mediziner zurück in der Heimat

Regierung von Ecuador kündigt medizinische Kooperation nach fast drei Jahrzehnten. Applaus aus den USA

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Zurück in Kuba: Mediziner, die in Ecuador gearbeitet hatten, bei ihrer Ankunft auf dem Flughafen Antonio Maceo in Santiago de Cuba
Zurück in Kuba: Mediziner, die in Ecuador gearbeitet hatten, bei ihrer Ankunft auf dem Flughafen Antonio Maceo in Santiago de Cuba

Quito/Havanna. Nach 27 Jahren der internationalen Kooperation sind diese Woche alle kubanischen Ärztinnen und Ärzte aus Ecuador in ihre Heimat zurückgekehrt. Die ecuadorianische Regierung hatte den Vertrag mit Kuba unerwartet gekündigt. Am Flughafen von Havanna wurden die 382 Mediziner am Dienstag von ihren Familien und dem kubanischen Gesundheitsminister empfangen.

"Ich bin glücklich, dem ecuadorianischen Volk zu Diensten gewesen zu sein", sagte die Orthopädin und Physiotherapeutin Dr. Dayanira Vallí vor dem Abflug in Quito. "Sie haben uns Unterkünfte und ihre Unterstützung zur Verfügung gestellt und wir ihnen die Gesundheitsversorgung. Und wir haben ihnen gezeigt, dass Geld nicht alles ist, dass gute kostenlose Behandlungen möglich sind."

Die ersten Ärzte nahmen 1992 ihren Dienst in Ecuador auf, 2009 wurde die Zusammenarbeit intensiviert. Mehr als 200.000 Operationen und 3.500 Geburten hat die Mission vorzuweisen.

Die ecuadorianische Innenministerin María Paula Romo hatte am 12. November angekündigt, den Vertrag auf dem Gebiet der Gesundheitsversorgung zu beenden. Im offiziellen Protokoll ist von wirtschaftlichen Gründen die Rede, die Einstellung der Zusammenarbeit hat aber politische Hintergründe: Das aktuelle Abkommen stammte aus der Zeit von Lenin Morenos Amtsvorgänger Rafael Correa, der als Teil der linksgerichteten Bolivarianischen Allianz für die Völker unseres Amerika (ALBA) gute Beziehungen zu Kuba pflegte. Im Zuge der Proteste gegen die neoliberalen Reformen der Regierung Moreno im Oktober warf Ecuador Kuba vor, mit den Protesten zu tun zu haben und die medizinische Mission zu missbrauchen. Dies wies das kubanische Außenministerium als haltlos zurück.

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Inzwischen mussten in Ecuador 5.000 bestehende Behandlungs- und 3.000 Operationstermine in 23 der 24 Provinzen abgesagt werden. Die unbesetzten Stellen schrieb das Gesundheitsministerium aus. Ob die ecuadorianische Regierung den Verlust der kubanischen Spezialisten ausgleichen kann, ist indes fraglich: Sie hatten vornehmlich in Regionen und auf Fachgebieten praktiziert, bei denen in Ecuador Mangel herrscht.

Das Abkommen zwischen Ecuador und Kuba war Teil der internationalistischen medizinischen Missionen, die einen der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren des sozialistischen Inselstaates darstellen. Zwar handelte es sich bei der Ecuador-Mission mit ihren 385 Personen um eine verhältnismäßig kleine. Zusammen mit den 725 Spezialisten, die unlängst Bolivien verlassen mussten sowie den 8.500, die Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro letztes Jahr auswies, könnte der Wegfall des Einsatzes in Ecuador die wirtschaftliche angespannte Lage Kubas weiter verschärfen.

Kuba hat angeboten, die Kooperation mit Ecuador jederzeit wieder aufzunehmen. "Wir wollen dem ecuadorianischen Volk erklären, dass wir immer bereit sind, Unterstützung zu leisten, wenn sie gebraucht wird, auch in den anderen Ländern Lateinamerikas und den Völkern der ganzen Welt", sagte der Chef der kubanischen Mission in Ecuador, Dr. Fernando Trujillo.

Die kubanischen Ärzte kamen am gleichen Tag aus Ecuador zurück wie ihre Kollegen, die aus Bolivien abgezogen worden waren. Dort hatte in Folge des Putsches gegen Evo Morales und der Selbsternennung von Interimspräsidentin Áñez die Außenministerin Karen Longaric erklärt, dass die 725 kubanischen Staatsangehörigen, die im Rahmen von Kooperationsprogrammen in Bolivien tätig waren, das Land verlassen müssten. Lob für diesen Schritt bekam die selbsternannte Regierung dafür aus Washington: "Bravo Bolivia", twitterte US-Außenminister Mike Pompeo.

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