Rückgabe von Kueka-Stein aus Venezuela wurde mit Maduro-Regierung ausgehandelt

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Am Montag wurde der Kueka-Stein aus Venezuela in Berlin überraschend verladen
Am Montag wurde der Kueka-Stein aus Venezuela in Berlin überraschend verladen

Berlin/Caracs. Nach der Rückgabe eines umstrittenen Kunstwerks aus Berlin an Venezuela hat das Auswärtige Amt direkte Verhandlungen mit der Regierung von Präsident Nicolás Maduro in Venezuela bestätigt. Der 30-Tonnen-Felsen war am Montag überraschend aus dem Berliner Tiergarten abtransportiert worden. Venezuelas Außenminister Jorge Arreaza twitterte eine Reihe von Fotos, die in dem südamerikanischen Land von der Presse breit aufgegriffen wurden.

Der sogenannte Kueka-Stein, der für die Pemón-Indigenen als heilig gilt, war 1998 vom deutschen Künstler Wolfgang Kraker von Schwarzenfeld aus dem venezolanischen Canaima-Nationalpark nach Berlin geholt worden. Seitdem ist er Teil des Global-Stone-Projekts im Berliner Tiergarten, in dem Steine aus den fünf Kontinenten ausgestellt werden. Die venezolanische Regierung fordert seit mehreren Jahren die Rückgabe des Steins, der aus ihrer Sicht illegal aus Venezuela ausgeführt wurde. Auch Angehörige der Pemón haben wiederholt für die Rückgabe demonstriert.

"Die Bundesregierung, vertreten durch das Auswärtige Amt, hat den Kueka-Stein der Bolivarischen Republik Venezuela zurückgeschenkt", hieß es aus dem Auswärtigen Amt. Das deutsche Außenamt sei "kontinuierlich im Austausch mit der Botschaft der Bolivarischen Republik Venezuela. Dabei war die Rückschenkung des Kueka-Steins ein häufiges Thema".

Dies bestätigte Schwarzenfels in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber amerika21. "Natürlich war das AA involviert", so der Künstler: "Der Stein wurde vom venezolanischen Volk dem deutschen Volk für das Global-Stone-Projekt geschenkt und das Auswärtige Amt vertritt als nomineller Eigentümer Deutschland." Er habe sein Einverständnis zur Rückschenkung gegeben, "um den mit einem Irrtum begonnen Konflikt zu beenden", so Schwarzenfels weiter.

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Die indigenen Pemón der Gemeinde Santa Cruz de Mapaurí und die Regierung Venezuelas fordern den Kueka zurück
Die indigenen Pemón der Gemeinde Santa Cruz de Mapaurí und die Regierung Venezuelas fordern den Kueka zurück

Zugleich wiederholte der Künstler seine Kritik an den venezolanischen Forderungen. Die Geschichte, der zufolge der Stein die Figur aus dem Entstehungsmythos der Pemón repräsentiert, sei frei erfunden gewesen, um die Rückgabe des Steins zu erzwingen. "Die Lügen und Desinformationen haben meinen Ruf und das Global-Stone-Projekt schwer beschädigt", so Schwarzenfels, der anfügte: "Das Gute an dem Konflikt ist, dass er das Bewusstsein der Venezolaner für ihre Minderheit nach Jahrhunderten der Missachtung total positiv verändert hat."

Während die deutsche Presse nach eingehender Berichterstattung über den Streit zwischen Venezuela und Deutschland über den Rücktransport nicht mehr informierte, reagierten Abgeordnete der Opposition. "Ich freue mich, dass der Kueka-Stein endlich nach Venezuela zurückkehrt und damit ein leidiges Kapitel der deutsch-venezolanischen Beziehungen beendet wird", schrieb der Linken-Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko. Es sei alleine bedauerlich, dass die Rückgabe so lange Zeit in Anspruch genommen hat. "Im April vergangenen Jahres besuchte ich den Ursprungsort im Süden Venezuelas. In Gesprächen mit Mitgliedern der nahegelegenen Pemón-Gemeinde Santa Cruz de Mapaurí konnte ich mich von der Bedeutung des Steins für sie überzeugen. Für die betroffene Gemeinde ist die Rückkehr eine großartige Nachricht", so Hunko, der damit der These entgegentrat, der Stein habe gar keine Bedeutung für die Pemón.

Hunkos Fraktionskollegin Heike Hänsel konstatierte: "Der Fall des Kueka-Steins aus dem Berliner Tiergarten belegt vor allem die koloniale Attitüde bei Bundesregierung, Kunst und Wissenschaft." Denn während sich alle zu dem Fall verhalten hätten, seien allein die betroffenen Pemón ignoriert und bevormundet worden.

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