Mexiko: 97 Prozent der Morde an Kindern und Jugendlichen straffrei

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Kunstaktion in Mexiko: die Figuren stehen für die Opfer des sogenannten Krieges gegen die Drogen
Kunstaktion in Mexiko: die Figuren stehen für die Opfer des sogenannten Krieges gegen die Drogen

Mexiko-Stadt. Seit 2015 steigen die Morde an Kindern und Jugendlichen in Mexiko stetig an, schreibt die mexikanische Tageszeitung Excelsior. Grund dafür sei die systematische Einbindung von Minderjährigen in die Strukturen krimineller Banden. Diese nutzen die Krisen in Staat und Familien aus, um Mädchen und Jungen zu rekrutieren. Die Verwicklung in die illegalen Aktivitäten der Banden aber führe zu einer Zunahme von Tötungsdelikten. Von den Morden bleiben 97 Prozent ungestraft.

"Kinder, die im organisierten Verbrechen gefangen sind, sind dort hingekommen, weil sie aus verletzlichen, unsicheren Situationen kommen. Sie machen den verletzlichsten Teil der Bevölkerung aus, noch dazu, wenn sie aus instabilen Familienverhältnissen kommen", sagt Alejandra Calixto Sánchez, eine Psychologin, die auf Opfer von Straftaten spezialisiert ist.

So wurden im Jahr 2015 nach Regierungsangaben 767 Totschläge an Minderjährigen registriert. Das bedeutet, dass pro Tag im Schnitt mehr als zwei Kinder bzw. Jugendliche ermordet wurden. Zwei Jahre darauf, 2017, wurden 1.132 gewaltsame Tode, zumeist mit Hilfe von Schusswaffen, erfasst. Während der Jahre 2018 und 2019 stiegen die Zahlen weiter an. 2018 starben in Mexiko statistisch betrachtet 3,4 Minderjährige pro Tag. Die Bundesstaaten mit den höchsten Todesfällen unter Minderjährigen sind Guanajuato, Edomex und Chihuahua.

Juan Martín Pérez García, Direktor der Nichtregierungsorganisation Kinderrechte in Mexiko (Derechos de la Infancia en México), sagt, der Anstieg liege an der fehlenden Aufmerksamkeit bei den Ermittlungen. Die Unaufmerksamkeit sorge für ein Gefühl der Straffreiheit bei den kriminellen Banden, die oft die Verantwortung für die Morde tragen. "Von 100 Fällen, bei denen Mädchen und Jungen Opfer wurden, erfolgt in nur drei Fällen ein Prozess oder ein Urteil; 97 Prozent bleiben straffrei," sagt Juan Martín Pérez García.

"Die Straffreiheit in diesem Land ist weit verbreitet“, sagt auch Gerardo Rodríguez Sánchez-Lara, Koordinator des Globalen Index der Straflosigkeit Mexiko 2018 (Índice Global de Impunidad México 2018). Im Jahr 2018 zeigte der Index auf, dass 99,3 Prozent von Verbrechen in Mexiko straffrei bleiben. Damit liegt das Land im Ranking der Straffreiheit auf dem vierten Platz weltweit und an erster Stelle in Kontinental-Amerika.

Diese Straffreiheit machen sich Kartelle und kriminelle Banden zunutze. Gruppen des organisierten Verbrechens wie Los Ardillos, Los Rojos, Guerreros Unidos, Cártel del Golfo, Jalisco Nueva Generación, Pacífico, Noreste und La Nueva Familia Michoacana benutzen Kinder und Jugendliche für ihre illegalen Geschäfte. Das führte in den letzten Jahren zu einem Anstieg der Morde an Minderjährigen.

Der sogenannte Drogenkrieg in Mexiko ist schon viele Jahre im Gange. Ex-Präsident Felipe Calderón (2006-2012) hatte sich als erster mexikanischer Präsident zum Ziel seiner Amtszeit gesetzt, die organisierte Drogenkriminalität primär militärisch zu bekämpfen. Diese Strategie endete in einem Fiakso: Zahlreiche Beamten und Behördenangehörige wurden zu Komplizen verschiedener Drogenkartelle. Zugleich sind immer mehr Kinder Opfer der Gewalt geworden. Offizielle Zahlen geben an, dass zwischen 2007 und 2018 insgesamt 27.173 Minderjährige in Mexiko ermordet wurden, das sind auf dem Gesamtzeitraum bezogen sechs pro Tag.

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