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Venezuela: Vertrag zwischen Oppositionspolitiker Guaidó und US-Söldnerfirma enthüllt

Neue Details über Verwicklung von selbsternanntem Interimspräsidenten nach gescheiterter Invasion durch Paramilitärs und US-Söldner in Venezuela

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V.l.n.r: Die Journalistin Patricia Poleo, die Moderatorin von Factores De Poder, und Besitzer der Söldnerfirma Silvercorp, Jordan Goudreau | Screenshot
V.l.n.r: Die Journalistin Patricia Poleo, die Moderatorin von Factores De Poder, und Besitzer der Söldnerfirma Silvercorp, Jordan Goudreau | Screenshot

Caracas. Die Regierung von Venezuela geht davon aus, dass der führende Oppositionspolitiker und Abgeordnete der Nationalversammlung, Juan Guaidó, mit der privaten US-Sicherheitsfirma Silvercorp einen Vertrag eingegangen ist, der militärische Aktionen zum Sturz der Regierung von Präsident Nicolás Maduro eingeschlossen haben soll. Dies bekräftigte der Vizepräsident für Kommunikation, Tourismus und Kultur, Jorge Rodriguez, in einer aus dem Präsidentenpalast Miraflores übertragenen Pressekonferenz.

Seit Tagen kursieren im Internet Ablichtungen einer mutmaßlichen Vereinbarung, die die Unterschriften von Guaidó, vom Inhaber der Sicherheitsfirma, Jordan Goudreau, und weiteren Personen zeigt, die für die Umsturzpläne seit Anfang 2019 verantwortlich sein sollen. Goudreau ist ein früheres, mehrfach dekoriertes Mitglied der Special Forces der US-Armee mit Einsätzen in Afghanistan und im Irak.

Die venezolanische Journalistin Patricia Poleo, die eine kritische Position zur Regierung von Präsident Nicolás Maduro einnimmt, hatte vor wenigen Tagen Informationen über eine Beziehung zwischen Venezuelas Oppositionsführer und Silvercorp publiziert. In einem aktuellen Interview auf dem Nachrichtenkanal Factores De Poder in Miami befragte sie den Inhaber von Silvercorp, der die Echtheit des Vertrags bestätigte.

Guaidó, der sich Anfang 2019 selbst zum Interimspräsidenten ausgerufen hatte, ließ von seinem Umfeld eine Verbindung zu der US-Söldnerfirma dementieren. In einer "Erklärung der legitimen Regierung von Venezuela" heißt es, dass es keine Verbindung zwischen Guaidó und Silvercorp gebe. Nach Recherchen unter anderem der US-amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press gab es diese Verbindung jedoch und sie geht auf den Februar 2019 zurück. Seinerzeit wurde Goudreau als Sicherheitsbeauftragter für das Konzert an der kolumbianisch-venezolanischen Grenze engagiert, das Guaidó mit Hilfe des britischen Milliardärs Richard Branson organisiert hatte und das als Mittel zur Mobilisierung einer Bewegung zum Sturz der Regierung Maduro dienen sollte.

Eine Aufklärung für diese sich widersprechenden Aussagen könnte darin liegen, dass es zu einem späteren Zeitpunkt zu einem Zerwürfnis zwischen Guaidó und den paramilitärisch organisierten Putschkräften in kolumbianischen Ausbildungslagern gekommen ist. Auffällig ist, dass die Informationen, die Guaidó in Verlegenheit bringen, aus den Reihen kommen, die ebenfalls am Sturz von Maduro arbeiten. In seinem Interview bei Factores De Poder berichtet der Inhaber von Silvercorp, dass der Vertrag mit Guaidó eine Finanzierung von Putschaktivitäten in Höhe von 213 Millionen US-Dollar zugesichert habe. Diese Mittel seien jedoch letztlich nicht eingegangen.

Die venezolanische Regierung will indes einen Fortbestand der Verbindung bis zu der gescheiterten paramilitärischen Invasion vom vergangenen Wochenende nachweisen. Hierfür legte Kommunikationsminister Rodriguez auf der Pressekonferenz unter anderem Audioaufnahmen über ein Gespräch zwischen Guaidó, den Beauftragten Sergio Vergara und Goudreau vor, die die gemeinsamen Pläne zum Thema haben. Diese Quellen konnten jedoch noch nicht unabhängig ausgewertet werden.

Guaidó bezeichnet den Invasionsversuch vom Wochenende indes beharrlich als "von Maduro inszeniert". Gleichzeitig forderte er die Behörden auf, die Menschenrechte der bei der paramilitärischen Unternehmung Festgenommenen zu respektieren. Auch macht Guaidó Staatschef Maduro für "das Chaos" in dem südamerikanischen Land verantwortlich. "Maduro bedeutet Chaos", heißt es in Erklärungen des selbsternannten Interimspräsidenten. Guaidó führt zur Bekräftigung weitere Ereignisse auf, die fast zeitgleich mit dem Invasionsversuch an der Grenze stattgefunden haben: eine blutige Gefängnisrevolte mit 45 Toten in Guanare im Bundesstaat Portuguesa, bewaffnete Zusammenstöße im Armenviertel Petare in Caracas und ein großflächiger Stromausfall in mehreren Bundesstaaten des Landes. Nur die Bildung einer "Nationalen Notstandsregierung, wie sie von 40 Ländern der Welt unterstützt wird", könne das Chaos beenden. Damit bezieht sich Guaidó auf die jüngste Initiative der US-Regierung zum Sturz von Maduro.

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