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Venezuela feuert mit Verhörprotokollen gegen Regierungen von USA und Kolumbien

Aussagen beleuchten Dienstbarkeit von Söldnern und Drogenbanden für Ziele der USA. Enge Mitarbeiter von Guaidó zurückgetreten

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Nicht nur der Präsident von Venezuela, Nicolás Maduro, sondern auch der US-Kongress beobachten momentan genau, welche Fakten zu der versuchten Invasion noch auf den Tisch kommen
Nicht nur der Präsident von Venezuela, Nicolás Maduro, sondern auch der US-Kongress beobachten momentan genau, welche Fakten zu der versuchten Invasion noch auf den Tisch kommen

Caracas. Die venezolanischen Behörden haben Vernehmungsvideos mit einem Beteiligten an der gescheiterten Söldnerinvasion vom 3. Mai veröffentlicht, die eine Verbindung der US-Administration mit dem Unternehmen untermauern sollen. Gleichzeitig erneuerte Kommunikationsminister Jorge Rodríguez die Vorwürfe der Komplizenschaft gegenüber der Regierung von Kolumbien.

Die Aussagen des in Haft befindlichen Antonio Sequea, den die Ermittler als "operativen Leiter" der Mission bezeichnen, standen im Mittelpunkt einer weiteren Pressekonferenz des Ministers. Sequea berichtete in Venehmungen, dass Jordan Goudreau, der Chef der US-Sicherheitsfirma Silvercorp, Mitte März Kontakt mit ihm aufgenommen und mitgeteilt hätte, dass er den venezolanischen Oppositionspolitiker Juan Guaidó im Weißen Haus getroffen habe und als Leiter der paramilitärischen Operation gegen Venezuela bestätigt worden sei.

Den in Kolumbien in mehreren paramilitärischen Lagern konzentrierten Personen habe Goudreau ein Gefühl der Sicherheit und des Schutzes vermittelt, indem er andeutete, dass der US-Präsident von der geplanten Operation wisse. Der Silvercorp-Chef habe ihnen "eine Woche im Voraus" den Einsatz der US-Marine in der Karibik und im Ostpazifik angekündigt, der offiziell den Drogenschmuggel inmitten der Coronavirus-Pandemie verhindern sollte. "Alles wurde genau so ausgeführt, wie er es beschrieben hatte. Das gab uns das Gefühl, dass wir geschützt sind", führte Sequea aus.

Im Übrigen habe Goudreau darauf verwiesen, dass die geplante Operation rechtlich abgesichert sei, da er mit Guaidó einen Vertrag unterzeichnet habe und letzterer von der Regierung der USA als legitimer Präsident von Venezuela anerkannt worden ist. Dieser Vertrag war vor Kurzem erst an die Öffentlichkeit gelangt. Unter anderen die Washington Post hat ihm eine ausführliche Bewertung gewidmet.

Was eine Verwicklung Kolumbiens in die Söldneraktion angeht, die die Regierung von Iván Duque entschieden abgestritten hat, erklärte Venezuelas Kommunikationsminister, dass seine Behörden alle Daten und Koordinaten der paramilitärischen Lager im Nachbarland, wo die Operation vorbereitet worden sei, schon frühzeitig an die dortige weitergaben. Daher sei die bekundete Ahnungslosigkeit unglaubwürdig.

In Kolumbien finden sich Anhaltpunkte für eine Verwicklung der USA durch Spuren, die zu deren Antidrogenbehörde DEA führen. Nach den Aussagen des verhafteten Sequea seien er und seine Männer auf dem Weg von ihren Militärlagern zur venezolanischen Grenze überrascht gewesen, in der Gegend eine DEA-Basis zu sehen, die nach ihrem Eindruck über die Bewegungen Bescheid wußte. Bei den Einwohnern bekannte Drogenbosse schienen in der Region aktiv zu sein.

Mit Verweis auf diese Schilderung bezichtigte Rodríguez die DEA und die Regierung Duque der Scheinheiligkeit. Das Land, das das meiste Kokain produziere und das Land, das am meisten konsumiere, wiesen mit dem Finger auf Venezuela, so der Minister in Anspielung auf die Beschuldigungen der USA gegenüber Präsidenten Nicolás Maduro, Drogenhandel zu betreiben. Rodriguez erklärte, dass es für die DEA gängige Praxis sei, Drogenhändler selbst zu rekrutieren, um sie gegen Venezuela einzusetzen.

Auch in Washington artikulieren sich Zweifel, ob die Trump-Regierung nichts über das Unternehmen gewusst habe. Der Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten des US-Kongresses hatte das Außenministerium am 5. Mai um "eine sofortige Unterrichtung" über die Geschehnisse gebeten, aber noch keine Erklärungen erhalten. In der Angelegenheit sind immerhin auch zwei US-Bürger nun wegen Terrorismus angeklagt.

Außenminister Mike Pompeo habe lediglich verlauten lassen, dass die USA keine "direkte Beteiligung" an der Operation hatten. Sie hätten den gescheiterten Versuch nicht "dirigiert", "geführt" oder "geleitet", so erklärte der Vorsitzende des Ausschusses, der demokratische Abgeordnete Eliot Engel. Er erwarte stattdessen aber Einzelheiten dazu, was gewesen ist.

Venezuelas Kommunikationsminister begrüßte, dass der Auswärtige Ausschuss um Aufklärung der Rolle der Regierung Trump nachgesucht hat. Er schlug zugleich vor, dass das Gremium auch Iván Simonovis, "Sonderkommissar für Sicherheit und Geheimdienst von Guaidó", der sich derzeit in den USA aufhalte, befragen sollte, ob es stimmt, dass die US-Regierung von den Aktionen gegen Venezuela wusste.

Indes sind zwei wichtige Mitarbeiter von Guaidó, Juan José Rendón und Sergio Vergara, von ihren Funktionen für den selbsternannten Interimspräsidenten zurückgetreten. Rendón wurde als "Leiter des strategischen Komitees der Übergangsregierung von Juan Guaidó" bezeichnet und war wegen seiner Rolle bei der Ausarbeitung und Unterzeichnung des Vertrags mit dem US-Militärauftragnehmer Silvercorp, der detaillierte Vorgaben für die gewaltsame Absetzung der Regierung Maduro enthält, in den Mittelpunkt der Affäre geraten.

Anders als Guaidó gab Rendón zu, den Vertrag unterzeichnet zu haben. Er lieferte den Medien Erklärungen zur Schadensbegrenzung und versuchte, angesichts der vielen Widersprüche, in die Guaidó sich verstrickte, eine Version anzubieten. Rendón erklärte, dass er unterschrieben habe, aber der Plan wegen seines Misstrauens gegenüber dem Eigentümer von Silvercorp, Goudreau, nicht ausgeführt wurde. Er war jedoch nicht in der Lage zu erklären, warum auch die Unterschrift von Guaidó auf dem Vertrag zu sehen ist und warum es eine Tonaufnahme der Vertragsunterzeichnung gibt, auf der Guaidó und Goudreau zu hören sind.

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