Coronavirus: Lateinamerika droht Hungerpandemie

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Das Welternährungsprogramm der UNO verteilt Lebensmittel an bedürftige in Kolumbien
Das Welternährungsprogramm der UNO verteilt Lebensmittel an bedürftige in Kolumbien

Rom. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (World Food Programme, WFP) warnt davor, dass in Folge der Covid-19-Pandemie in Lateinamerika in diesem Jahr rund 14 Millionen Menschen in Armut und Hunger gedrängt werden könnten.

Angesichts der Pandemie prognostiziert die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Comisión Económica para América Latina y el Caribe, Cepal) der UNO für dieses Jahr den bisher größten regionalen wirtschaftlichen Rückgang um durchschnittlich 5,3 Prozent. Die Folgen dieser Wirtschaftskrise verschlimmern die bereits prekäre Lage von Millionen Menschen. Aufgrund der coronabedingten Schließungen erhalten viele Kinder nicht mehr das Mittagessen, auf das viele von ihnen zählen konnten. Darüber hinaus können durch die bestehenden Bewegungseinschränkungen und Schutzanordnungen viele Menschen nur bedingt oder gar nicht mehr arbeiten, um Geld zu verdienen. Hinzu kommen Einkommensverluste durch ausbleibende Überweisungen von Verwandten aus dem Ausland.

"Es ist lebenswichtig und dringend, dass wir Nahrungsmittelhilfe für die wachsende Zahl der von Armut bedrohten Menschen in der Region sowie für diejenigen bereitstellen, die auf informelle Arbeit angewiesen sind. Wir haben noch Zeit, um zu verhindern, dass aus der Corona-Pandemie eine Hungerpandemie wird", warnt Miguel Barreto, Regionaldirektor des Lateinamerika- und Karibikprogramms des WFP.

Die Prognosen beziehen sich auf die Länder Bolivien, Kolumbien, Kuba, Dominikanische Republik, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Haiti, Honduras, Nicaragua, Peru und kleinere Inselstaaten in der Karibik. In Haiti könnte die Zahl der stark von Ernährungsunsicherheit betroffenen Menschen von 700.000 auf 1,6 Millionen steigen. Die Zahl der betroffenen venezolanischen Migranten, die in Kolumbien, Ecuador und Peru leben und keinen ausreichenden Zugang zu Nahrungsmitteln haben, steigt möglicherweise von 540.000 auf über eine Million.

Auch in den trockenen Regionen Zentralamerikas ist die Situation nicht besser, die Zahl der stark von Ernährungsunsicherheit betroffenen Menschen könnte von über 1,6 Millionen auf fast drei Millionen ansteigen. Dabei sind mögliche Schäden während der im Juni beginnenden Hurrikansaison in der Karibik noch nicht eingerechnet. In den geschätzten Zahlen sind Länder wie Brasilien, Venezuela oder Mexiko, in denen das Programm derzeit nicht vertreten ist, nicht enthalten.

Das WFP fordert die Länder nachdrücklich auf, durch nationale Sozialprogramme betroffenen Menschen zusätzliche Unterstützung zu gewähren und sie auf weitere Gruppen wie Migranten und Menschen ohne formelle Arbeit auszudehnen. Um schnell und umfassend auf die enormen Herausforderungen der Corona-Krise zu reagieren, fordert das Programm zusätzlich die Unterstützung internationaler Finanzinstitutionen und der internationalen Gemeinschaft.

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