Sterbliche Überreste des verschwundenen Facundo Castro in Argentinien identifiziert

Ermittlungen kamen erst nach Intervention von Präsident Fernández in Gang. Letzter bekannter Aufenthalt des Toten war im Gewahrsam der Polizei

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Der seit vier Monaten verschwundene Facundo Castro wurde tot aufgefunden
Der seit vier Monaten verschwundene Facundo Castro wurde tot aufgefunden

Buenos Aires. Die Bundesrichterin María Gabriela Marrón hat der Familie Castro bestätigt, dass eine am 15. August gefundene Leiche als die sterblichen Überreste ihres Sohnes identifiziert worden sind. Der 22-jährige Facundo Castro war am 30. April an einer Bundesstraße nahe des Ortes Mayor Buratovich in eine Polizeikontrolle geraten und war seitdem nicht mehr gesehen worden.

Der Ort des Auffindens war die Mündung eines Flusses bei Villarino Viejo. Die Staatsanwaltschaft und die Experten eines Teams für forensische Anthropologie konnten die Identität des Verschwundenen über DNA-Vergleiche bestimmen. Die Familie des Verstorbenen hatte diese Nachricht seit mehreren Tagen erwartet.

Der Fall des jungen Mannes hat die argentinische Öffentlichkeit seit Wochen stark bewegt. Ein Verschwinden im polizeilichen Gewahrsam rührt im Land die Erinnerung an die Praxis des gewaltsamen Verschwindenlassens auf, die die Militärdiktatur 1976 bis 1983 gegen Oppositionelle massenhaft angewendet hatte.

Anfang August fand in der Hauptstadt Buenos Aires eine große Demonstration statt, auf der von den staatlichen Stellen eine Aufklärung über das Verbleiben von Castro gefordert wurde. Anwälte der Familie des Verschwundenen wiesen bereits auf Ungereimtheiten in dem Fall hin, die die Polizei selbst als Verdächtige erscheinen ließen. Angehörige sprachen von einem "erzwungenen Verschwindenlassen" und von Anzeichen einer Vertuschung durch Polizeibeamte.

Nach einer Mahnung der Vereinten Nationen (UN) an den argentinischen Staat, dem Fall und dessen Aufklärung höchste Priorität zu geben, hatte die Regierung interveniert, und dadurch die Behörden zu intensivierten Ermittlungen veranlasst. Schließlich trafen sich Präsident Alberto Fernández und der Gouverneur der Provinz Buenos Aires, Axel Kicillof, mit der Mutter des Vermissten, Cristina Castro, und versicherten ihr ihre Entschlossenheit, herauszufinden, was passiert sei.

Die zunehmenden öffentlichen Proteste gegen die schleppende Aufklärung nahmen immer mehr die Justiz und Bundesstaatsanwalt Santiago Martínez in den Blick. Letzterer war noch vom Vorgänger des heutigen Präsidenten, von Mauricio Macri berufen worden. Er soll eine zweifelhafte Vergangenheit haben. Menschenrechtsorganisationen kritisierten unter anderem seine schützende Haltung für Mitglieder der Militärdiktatur und straffällig gewordene Polizisten.

Der Minister für Innere Sicherheit der Provinz Buenos Aires, Sergio Berni, drückte bisher seine Überzeugung aus, dass das, was passiert ist, "nicht das ist, was die Anwälte (der Familie) sagen", die seiner Meinung nach "weiterhin von einem Verbrechen reden, das nicht geschehen ist".

Nach einer ersten Autopsie erklärte die Mutter Cristina Castro, die Experten "haben mir die mögliche Todesursache genannt, sie haben einen Selbstmord ausgeschlossen, sie haben einen Unfall ausgeschlossen, es handelt sich um einen Körper, der an Erstickung gestorben ist, es war ein traumatischer Tod, sie haben ihn durch Untertauchen oder Strangulation getötet". Die Gerichtsmedizinerin Virginia Creimer, die an der Autopsie teilnahm, teilte mit, dass die Auswertung zwischen 30 und 60 Tagen benötigen werde.

"Nichts wissenschaftlich Nachhaltiges wird vor 40 Tagen geschehen", so Creimer. Bezüglich der Möglichkeit, dass der Tod durch Ertrinken ohne das Zutun von Dritten eingetreten ist, antwortete sie, dass man dies aufgrund festgestellter Zeichen von Gewalt und anderer Daten beurteilen werde. Die Analyse werde multidisziplinär geführt und stelle die Autopsieergebnisse in Kontext mit den Daten aus der gerichtlichen Untersuchung.

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