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Chinchilla zieht Kandidatur für Vorsitz der Interamerikanischen Entwicklungsbank zurück

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Logo der Interamerikanischen Entwicklungsbank (Banco Interamericano de Desarrollo, BID)
Logo der Interamerikanischen Entwicklungsbank (Banco Interamericano de Desarrollo, BID)

San José. Laura Chinchilla, Ex-Präsidentin von Costa Rica, hat ihre Kandidatur für den Vorsitz der Interamerikanischen Entwicklungsbank (Banco Interamericano de Desarrollo, BID) zurückgezogen. In dem Schreiben an den aktuellen Präsidenten des Landes, Carlos Alvarado, erklärte Chinchilla ihren Rückzug damit, dass die aktuelle Corona-Pandemie keine ruhige Debatte über die Neubesetzung zulasse. Sie kritisierte zudem "die abrupte Änderung einer der Regeln, die seit der Gründung der BID den Prozess der Auswahl der Kandidaten bestimmt".

Damit bezieht Chinchilla sich auf die Kandidatur des US-Amerikaners Mauricio Claver-Carone. Die Regierung der USA unter Präsident Donald Trump hat die ungeschriebene Regel gebrochen, wonach die BID von einer lateinamerikanischen oder karibischen Persönlichkeit geleitet wird und ein US-Bürger als dessen Vertretung fungiert (Amerika21 berichtete).

Bis zuletzt unterstützte keines der Mitgliedsländer Chinchilla, wohingegen Claver-Carones Kandidatur von mehr als einem Dutzend weiterer Staaten gefördert wird, darunter Brasilien und Kolumbien. Bislang sprachen sich Chile, Costa Rica, die Europäische Union und Mexiko für eine Verschiebung der Wahlen aus. Auch das progressive politische Forum "Puebla-Gruppe", dem Linke aus ganz Lateinamerika angehören, sowie mehrere Parlamente und Persönlichkeiten der Region plädieren dafür, die Wahl bis März zu verschieben.

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Chinchilla hatte sich zuvor als Kandidatin vorgestellt, die in der Lage sei, parteiübergreifend zu agieren, um den jahrelangen Prozess der Zustimmung zur Kapitalerhöhung der Bank einzuleiten. Es sei ihr dabei ein Anliegen, die Wahlen nicht ideologisch oder polarisierend durchzuführen.

Die BID ist das größte Finanzinstrument für Entwicklungsprojekte in Lateinamerika mit einem durchschnittlichen Portfoliovolumen von 37 Milliarden US-Dollar an Eigenmitteln und zwei Milliarden Dollar an Drittmitteln. Die Bank hat die Rechtsform einer Aktiengesellschaft und Sitz in Washington und wird mehrheitlich von Mitgliedsstaaten aus Lateinamerika und der Karibik gehalten.

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