Greenpeace: "Jede zweite Frucht aus Brasilien mit in EU verbotenen Pestiziden belastet"

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Pestizide werden in Brasilien teilweise auch mit dem Flugzeug gespritzt
Pestizide werden in Brasilien teilweise auch mit dem Flugzeug gespritzt

Wien/Brasília. Wie die Umweltorganisation Greenpeace Österreich informiert, hat sie in importierten Mangos, Papayas und Melonen aus Brasilien verbotene Pestizide nachweisen können.

Ein unabhängiges Labor stellte bei Untersuchungen fest, dass jede zweite Frucht mit Spritzmitteln belastet war, deren Einsatz in der Europäischen Union untersagt ist.

"Unser Test weist einen alarmierenden Kreislauf nach: Europäische Agro-Chemie-Konzerne machen mit Spritzmitteln, die in Europa bereits mit gutem Grund verboten wurden, in Südamerika Millionenumsätze. Vor Ort teils großflächig mit Flugzeugen ausgebracht, wirken sie sich katastrophal auf Mensch und Natur aus. Schlussendlich finden wir die Rückstände dieser Pestizide dann auch auf unseren Tellern wieder", sagt Sebastian Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace.

Die Regierung von Präsident Jair Bolsonaro hat bis jetzt 826 neue Pflanzenschutzmittel in Brasilien frei gegeben ‒ in weniger als zwei Jahren. Die Zahl der Landarbeiter in Brasilien mit Pestizidvergiftungen steigt an. Doch Unternehmen geben nur einen Teil der Fälle bekannt.

In einer neuen Zulassungsrunde 2020, unter einen neuen Gesetzgebung, hat die Regierung gerade die Vermarktung von 45 weiteren neuen Schädlingsbekämpfungsmitteln genehmigt, informiert der kritische brasilianische Wissenschaft-Blog "Beobachtungsstelle für Agrochemikalien" von Marcos Pedlowski.

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52 Prozent der von der Regierung freigegebenen Produkte würden in China produziert. Als einer der Hauptabnehmer von Soja liefere das Land die Agrochemikalien für einen rentablen Anbau in Brasilien.

Gesundheitsschädliche Pestizide stehen im Verdacht, hormonell wirksam, krebserregend oder erbgutverändernd zu sein. In Brasilien eingesetzte Pestizide, wie Amethrin, Fipronil, Thiamethoxam seien in der Europäischen Union verboten, so Pedlowski, Professor an der Universidade Estadual do Norte Fluminense im Bundestaat Rio de Janeiro. Europäische Unternehmen, wie BASF, Bayer und Syngenta, mit Hauptsitz in Deutschland und in der Schweiz, verlagerten die Produktion umstrittener Pestizide inzwischen bewusst nach China, Spanien und Italien.

Was die Toxizität einiger Pestizide angeht, hätten die jüngsten Änderungen der Kriterien der Gesundheitsüberwachungs-Behörde Anvisa eine „gelinde gesagt merkwürdige Situation geschaffen“, schreibt Pedlowski. Bei in Brasilien zugelassenen Produkten, wie Atrazin und Acephat, von denen bekannt ist, dass sie giftig sind, und die in anderen Ländern wegen der Gefahr für die menschliche Gesundheit verboten sind, gilt in Brasilien jetzt die Humantoxizität als geringer als die Umwelttoxizität.

Die Ergebnisse des Berichts von Greenpeace im Detail finden Sie hier

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