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Skurriler "US-Botschafter in Venezuela" residiert in Kolumbien

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James Story wendet sich regelmäßig aus seiner "virtuellen Botschaft" über Twitter an die Bevölkerung in Venezuela
James Story wendet sich regelmäßig aus seiner "virtuellen Botschaft" über Twitter an die Bevölkerung in Venezuela

Bogotá. Deutsche und internationale Medien haben berichtet, dass die USA einen Botschafter für Venezuela ernannt hätten. Zuvor bestätigte der US-Senat eine entsprechende Nominierung durch Präsident Donald Trump.

Stellvertretend für die ungewöhnliche Berichterstattung kann die Meldung des Deutschlandfunks (DLF) vom 19. November stehen: "Die USA sind zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder in Venezuela diplomatisch vertreten."

Die als "Botschafter" bezeichnete Person ist James Story. Bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Venezuela und den USA war er Geschäftsträger in Caracas und nach dem Rauswurf des gesamten diplomatischen Personals im März 2019 wurde er im September des selben Jahres Geschäftsträger des "Büro für venezolanische Angelegenheiten" in der US-Botschaft in Bogotá.

Der US-Regierung und ihren Verbündeten im Fall Venezuela ist seit der Anfang 2019 erfolgten Anerkennung eines selbsternannten Interimspräsidenten für das südamerikanische Land wiederholt ein Agieren im rechtsfreien Raum oder explizit gegen das Völkerrecht vorgeworfen worden. Verschiedenen Medienberichten im Fall des "US-Botschafters" mangelt es nun daran, dass sie die rechtlichen Unterschiede nicht kenntlich gemacht haben.

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Die Entsendung und Akkreditierung von Botschaftern ist im Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen von 1964 geregelt und gilt für alle Staaten gleichermaßen. Der Entsendestaat muss sich über diplomatische Kanäle beim Empfangsstaat vergewissern, dass Einvernehmen mit der Bestellung der ausgesuchten Person besteht. Der Empfangsstaat muss eine förmliche Akkreditierung vornehmen.

Der Bezeichnung "Botschafter" für den in Bogota wirkenden US-Amerikaner Story hat indes der venezolanische Oppositionspolitiker Juan Guaidó zugestimmt. Gemäß seinem Selbstverständnis als Interimspräsident für das Land hat er Story "anerkannt" und diesem gratuliert.

Die venzolanische Regierung hat den Vorgang bisher nicht kommentiert. Der führende Politiker der regierenden Vereinten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV) und ihr Vizepräsident, Diosdado Cabello, spielte auf die Fantasy-Romane "Die Chroniken von Narnia" des irischen Schriftstellers C. S. Lewis an: Story sei "nur ein Botschafter aus Narnia. Da sie einen Präsidenten von Narnia haben, werden sie auch einen Botschafter von Narnia haben", bekräftigte Cabello im Mai nach dessen Nominierung durch Trump.

Die "Embajada Virtual de los EE.UU., Venezuela" (Virtuelle US-Botschaft, Venezuela) twittert unterdessen mit offiziell wirkenden Insignien. Story unterstützt die Agenda von Guaidó und betont, dass "Venezuela ein gemeinsames Thema der Republikaner und Demokraten in den USA" sei. Die Unterstützung für Guaidó werde auch nach einem Wechsel im Weißen Haus forgesetzt.

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