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Operation Gideon: US-Funktionäre sollen Putschplan in Venezuela unterstützt haben

Silvercorp-Chef reicht Klage ein, die mehr Licht in die gescheiterte paramilitärische Invasion vom Mai dieses Jahres bringen könnte

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Der ehemalige US-Marinesoldat Jordan Goudreau und Javier Nieto Quintero, Deserteur der venezolanischen Armee, bekennen sich in einem Video zu dem Invasionsversuch und rufen das Militär von Venezuela auf, sich anzuschließen | Screenshot
Der ehemalige US-Marinesoldat Jordan Goudreau und Javier Nieto Quintero, Deserteur der venezolanischen Armee, bekennen sich in einem Video zu dem Invasionsversuch und rufen das Militär von Venezuela auf, sich anzuschließen | Screenshot

Miami. Eine 1,4 Millionen US-Dollar Klage wegen Vertragsbruchs, eingereicht beim Bezirksgericht von Miami-Dade County, legt offenbar weitere Details der sogenannten Operation Gideon offen. Der Miami Herald und der US-Medienkonzern McClatchy hatten nach eigenen Angaben Zugang dazu.

Die Militäraktion unter den Decknamen "Gideon" im Mai dieses Jahres gegen die Regierung von Präsident Nicolás Maduro konnte von den venezolanischen Sicherheitskräften vereitelt werden (amerika21 berichtete). Zwei US-Söldner hatten zusammen mit 50 Bürgern des südamerikanischen Landes versucht, auf dem Seeweg nach Venezuela zu gelangen, um Maduro zu stürzen. Die Ex-Soldaten hatten sich dafür von dem privaten Sicherheitsunternehmer Silvercorp anheuern lassen.

Der frühere US-Elitesoldat und Chef von Silvercorp, Jordan Goudreau, hat laut Medienberichten den venezolanischen Oppositionsberater und Finanzier Juan Jose ("JJ") Rendon verklagt. Er habe einen Vertrag nicht erfüllt, in dem er Goudreaus Firma beauftragte, Maduro aus dem Amt zu bringen, damit der von den USA unterstützte Oppositionsführer Juan Guaidó die Macht übernehmen könne.

Rendon, der in Miami lebt, behauptete, dass die Geschäfte der Opposition mit Goudreau abgebrochen wurden, nachdem er seine Zusagen hinsichtlich Finanzierung und Personal nicht einhalten konnte. Rendon trat kurz nach dem gescheiterten Putschvorhaben von seinem Posten als Berater Guaidós zurück.

In ausführlichen Interviews erklärt Goudreau, er sei vom Weißen Haus unterstützt worden und habe sich mit Regierungsvertretern im Trump Hotel in Washington und im Trump National Doral-Resort in Florida getroffen. In der Klageschrift werden namentlich Andrew “Drew” Horn und Jason Beardsley genannt.

Horn war seinerzeit Berater von Vizepräsident Mike Pence und Beardsley Berater des Ministeriums für Veteranenangelegenheiten. Der Ex-Elitesoldat beharrt darauf, dass sie seine Bemühungen unterstützten und Horn versprach, Regierungsgenehmigungen für die Beschaffung von Waffen zu besorgen.

Ein Sprecher von Pence bestritt, dass der Vizepräsident Kenntnis von dem Vorhaben hatte und sagte, dieser kenne Horn nicht. Ein namentlich nicht genannter Beamter, den McClatchy zitiert, sagte, Horn habe dem Büro des Vizepräsidenten zugearbeitet, aber keine Verantwortlichkeiten im Zusammenhang mit Venezuela gehabt.

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Goudreau enthüllte auch, dass er persönlich oder per Video-Konferenzen Zusammenkünfte mit mehreren venezolanischen Oppositionsvertretern hatte und Anführer wie Guaidó und Leopoldo López informierte. Laut Miami Herald und McClatchy bestreiten die Oppositionellen dies.

Die Klage des ehemaligen Green Beret erwähnt auch ein konkurrierendes Angebot zum Sturz der Regierung Maduro mit einer Söldnertruppe von Erik Prince, Eigentümer der Sicherheitsfirma Frontier Services Group und Gründer des privaten Sicherheits- und Militärunternehmens Blackwater.

Befragt von McClatchy erklärte Goudreau, seine Priorität sei nun die Freilassung der in Venezuela inhaftierten Ex-Green Berets Airan Berry und Luke Denman, die an der Aktion im Mai beteiligt waren. Ein Treffen mit Präsident Donald Trump in dessen Mar-a-Lago-Resort in Florida sei in Arbeit gewesen, habe aber nie stattgefunden, behauptete er.

Der Anwalt von Goudreau übergab den beiden Medien auch die Daten des Telefons seines Mandanten, darunter Kontakte, Textnachrichten, Chats und Filmmaterial aus den paramilitärischen Ausbildungslagern in Kolumbien.

Am 3. und 4. Mai 2020 wurden Schnellboote mit bewaffneten Männern bei der Annäherung an die venezolanische Küste abgefangen. Bei anschließenden Fahndungsmaßnahmen wurden mehr als 40 Personen festgenommen, unter ihnen Berry und Denman. Beide wurden im August wegen Terrorismus und anderer Verbrechen zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.

Der selbsternannte Interimspräsident Guaidó bestritt jegliche Verbindung zur Operation Gideon, obwohl seine Unterschrift auf einer geleakten Kopie des Vertrages mit Silvercorp zu sehen ist und ein Video auftauchte, das den Oppositionsführer nach dem Scheitern des Putschplans im Gespräch mit Goudreau zeigen soll. McClatchy und Miami Herald berichten indes, eine vollständige Kopie des Vertrags, die von den Reportern eingesehen werden konnte, enthalte eine zuvor geschwärzte Klausel, die es Guaido erlaubt, jegliche Beteiligung zu leugnen, falls die Operation fehlschlagen sollte.

Die Trump-Regierung distanzierte sich damals rasch von der gescheiterten paramilitärischen Invasion. Außenminister Mike Pompeo sagte gegenüber Medien, "dass es keine direkte Beteiligung der US-Regierung gab", und versprach, die Rückkehr der inhaftierten US-Soldaten sicherzustellen.

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