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Zweite Covid-Welle: Großteil von Peru im Lockdown

Präsident erklärt "extremen Alarmstand" in zehn Regionen, darunter die Hauptstadt Lima. Linke kritisieren unzureichende Bonuszahlungen, Rechte möchten Wirtschaft nicht gefährden

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Ab Sonntag kehren Lima und neun weitere Regionen in den Lockdown zurück
Ab Sonntag kehren Lima und neun weitere Regionen in den Lockdown zurück

Lima.  Perus Präsident Francisco Sagasti hat neue Maßnahmen für die Eindämmung der Corona-Pandemie verkündet: In zehn Departamentos, darunter in der bevölkerungsreichsten Region Lima, wurde die höchste Covid-Alarmstufe ausgerufen. Das bedeutet einen neuen Lockdown.

In zahlreichen anderen Landesteilen – u.a. in den Departamentos Arequipa und Cusco – wurden die Maßnahmen weniger drastisch verschärft. Dennoch müssen dort Kultur- und Freizeiteinrichtungen schließen. Die Regelungen sollen ab Sonntag in Kraft treten.

"Wir Peruaner und Peruanerinnen haben gezeigt, dass wir in der Not nicht verzagen, sondern dass wir kämpfen und siegen können", stimmte das Staatsoberhaupt seine Landsleute auf die neue Phase ein. Ab dem Jahresbeginn waren die seit Oktober niedrig gebliebenen Covid-19-Fallzahlen erneut stark angestiegen. In vielen Teilen des Landes sind Krankenhäuser und Intensivstationen bereits überlastet.

Seit zwei Wochen protestiert die peruanische Ärztegewerkschaft (FMP) für bessere Arbeitsbedingungen und befindet sich im Streik, wobei aus Rücksicht auf den medizinischen Notstand kaum Gesundheitsarbeiter:innen ihre Arbeit niederlegen. Zu den Forderungen gehören eine bessere Ausrüstung der öffentlichen Krankenhäuser angesichts der Pandemie sowie eine vertraglich bereits festgelegte Lohnerhöhung, die im Zuge der Gesundheitskrise 2020 ausblieb.

FMP-Präsident Godofredo Talavera will nicht aufgeben: "Wir befinden uns in einem unbefristeten Streik und hoffen, dass das Finanzministerium bald antwortet."

Die verschärften Maßnahmen werden viele Menschen hart treffen, sie befürchten die ökonomischen Konsequenzen.

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Einen Tag nach der Verkündung des Lockdowns präsentierte die Regierung am Mittwoch ihr wirtschaftliches Rettungspaket: 4,2 Millionen Haushalte sollen einen Einmalbonus von umgerechnet 150 Euro erhalten, für Unternehmen werden Steuerzahlungen suspendiert.

Gesundheitsministerin Pilar Mazzetti betonte, man habe aus den Fehlern des ersten Lockdowns gelernt. Dieses Mal möchte die Regierung die "ollas comunes", öffentliche Suppenküchen fördern, um Menschen mit Essen zu versorgen. Auch direkte Lebensmittellieferungen an Bedürftige sind geplant. Während der ersten Welle hatten verzögerte Bonuszahlungen und überfüllte Markthallen dazu geführt, dass gerade arme Menschen trotz Ausgangssperre der Ansteckungsgefahr ausgesetzt waren.

Auch wurden die Maßnahmen dieses Mal mit fünf Tagen Vorlauf verkündet. Im März war das ganze Land von einem auf den anderen Tag stillgelegt worden, Luft- und Landverkehr wurden eingestellt. Viele Binnenmigrant:innen strandeten so in den Großstädten und machten sich in großen Gruppen zu Fuß auf den Weg in ihre Gemeinden (amerika21 berichtete).

Dennoch zeigen sich Sozialverbände besorgt: Bereits vor der Pandemie waren 70 Prozent der Arbeitsbevölkerung informell beschäftigt. Durch Covid-19 verloren auch Millionen bis dahin formell Beschäftigte ihre Arbeit. Um wirklich alle Bedürftigen erreichen zu können, müsse man einen universellen Bonus zahlen, erläuterte die linke Präsidentschaftskandidatin Verónika Mendoza.

Auch von Rechts kam Kritik am neuen Lockdown: Der ultrarechte Präsidentschaftskandidat Rafael López Aliaga forderte in den sozialen Medien zum Protest dagegen auf. Auf der anderen Seite argumentieren rechte Meinungsmacher wie der Fernsehmoderator Beto Ortiz, die zweite Covid-Welle sei auf die Protestmärsche im November zurückzuführen. Ein erster Anstieg war aber erst nach den Feiertagen Ende 2020 zu beobachten gewesen.

Am Donnerstag kam es zu spontanen Versammlungen gegen die neuen Maßnahmen. Für das Wochenende wurden weitere Demonstrationen angekündigt.

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