Chile / Soziales

"Impfweltmeister" Chile erneut im Lockdown

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Seit Samstag befindet sich Santiago de Chile wieder im Lockdown
Seit Samstag befindet sich Santiago de Chile wieder im Lockdown

Santiago. Die Corona-Pandemie in Chile ist noch nicht im Griff: Während die Impfungen zügig auf hohem Niveau weitergehen, meldete das Land während der letzten Woche täglich über 7.000 Neuinfektionen, was sogar die Rekordziffern der ersten Welle übersteigt. Mit einer Positivrate von über 9 Prozent bei den PCR Tests und über 95 Prozent Auslastung der Notfallbetten ist die Lage kritisch. Politik, Ärzte und die Öffentlichkeit streiten über die Ursachen. Die Regierung hat ab Samstag erneut einen Lockdown für die Hauptstadt Santiago verhängt.

Nachdem es über das Jahr 2020 viel Kritik am Krisenmanagement der Regierung gab (amerika21 berichtete) erkannte diese früh die Wichtigkeit der Schutzimpfungen und orderte im September letzten Jahres 32 Millionen Dosen von verschiedenen Herstellern.

Bis Anfang März waren bereits alle Risikogruppen und ältere Menschen im Rentenalter vollständig geimpft. Nun werden etappenweise alle anderen Alters- und Berufsgruppen geimpft. Medien ernannten Chile bereits zum "Impfweltmeister".

Am 26. März wurde dennoch ein absoluter Negativrekord mit 7.626 Neuinfektionen gemeldet und alle Ballungszentren mit insgesamt 13 Millionen Menschen befinden sich in Quarantäne.

Über die Gründe streiten sich Ärzte und Politiker. Übereinstimmend werden von Beobachtern die widersprüchliche Politik der Regierung und die laxe Befolgung der Hygieneregeln durch die Bevölkerung für diese dritte Welle der Neuinfektionen verantwortlich gemacht.

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Zu Beginn des Jahres erlaubte die Regierung Ferienreisen innerhalb des Landes ohne jedoch ausreichend auf die Gefahren und Vorsichtregeln aufmerksam zu machen. Obwohl schon während der Sommerzeit von Januar bis Februar die Neuinfektionen leicht zunahmen, wurden Anfang März die Schulen für den Präsenzunterricht freigegeben.

In der jetzigen Infektionswelle überwiegen ansonsten gesunde Patienten zwischen 30 und 50 Jahren, während es in der ersten Welle weitgehend Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen waren, die schwer erkrankten. Laut Kritikern lässt das nur auf die massive Missachtung der Hygieneregeln schließen.

Die hohe Anzahl von monatlich 1.000 Festnahmen wegen Hygieneverstößen stützen diese These. So rückt die Polizei vor allem an den Wochenenden regelmäßig aus, um große, verbotene Versammlungen aufzulösen. Alleine in einer Nacht wurden in Villa Alemana 47 Personen bei einer illegal organisierten Party festgenommen. Nur wird darauf gesetzt, dass mit dem aktuellen Lockdown, der etwa 70 Prozent der Gesamtbevölkerung betrifft, die Neuinfektionen abnehmen und auch die Impfkampagne Wirkung zeigt.

Zusätzliche Brisanz erhält die Situation durch die für den 11. und 12. April angesetzten Wahlen der Gouverneure, Bürgermeister, Stadtverordneten und Vertreter zur verfassunggebenden Versammlung. Im Moment wird am Wahltermin festgehalten, allerdings sind Gespräche über eine Aufschiebung im Gange.

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