Kleinbauern in Venezuela prangern "Betrug" in halbstaatlicher Zuckermühle an

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Die Protestierenden blockieren die Tore der Zuckerrohrmühle "Central Azucarero Cumanacoa"
Die Protestierenden blockieren die Tore der Zuckerrohrmühle "Central Azucarero Cumanacoa"

Cumanacoa. Im venezolanischen Teilstaat Sucre protestieren Zuckerrohrproduzenten gegen die Cumanacoa-Mühle wegen ausstehender Zahlungen. Unterstützt werden sie dabei von fünf lokalen Kommunen und der landesweiten Organisation "Union der Kommunarden".

Die Zuckerrohrmühle "Central Azucarero Cumanacoa" wird gemeinsam vom Privatunternehmen TecnoAgro und der Firma CorpoSucre betrieben, die im Besitz der Regionalregierung von Sucre ist.

Das Unternehmen betrüge sie, prangern die Protestierenden an: Die Zuckerrohrmühle hat nach öffentlich zugänglichen Informationen nur 20 Prozent der vereinbarten Summe für die letzte Ernte von 21.000 Tonnen bezahlt. Nach wiederholten Protesten war ein Runder Tisch mit Managern der Anlage eingerichtet worden.

Das Angebot des Unternehmens reichte aber nicht einmal für die Produktionskosten: "Was uns angeboten wurde, deckt nicht das Schneiden des Rohrs und den Transport. Es wird nichts für uns übrig bleiben, um Lebensmittel zu kaufen", sagte Luis González, ein örtlicher Bauernführer in einem Appell an Venezuelas Präsident Nicolás Maduro. "Wir wollen, dass die Regierung eine Kommission schickt und uns hilft, dieses Problem zu lösen."

Die Zuckerrohrbauern führten Ende April mehrere Protestaktionen durch, blockierten die Fabriktore und kündigten an, ihren Kampf fortzusetzen, bis die Verantwortlichen auf ihre Forderungen eingehen. Schließlich traf eine Delegation von CorpoSucre ein und versprach, die vereinbarten Zahlungen zu regeln. Ein Ergebnis steht noch aus.

Jismelly Galíndez, Zuckerrohrpflanzerin und Sprechern der Kommune Las 5 Fortalezas, sagte, die Bevölkerung sei "sehr verärgert" über das Verhalten des Unternehmens. Die Zuckerrohrproduktion sei das "wirtschaftliche Rückgrat" der Region. "Der Vertrag, den wir unterschrieben haben, wird gebrochen und wir verlieren mehr als die Hälfte dessen, was uns gesetzlich zusteht", erklärte sie.

Galíndez prangerte zudem an, dass die Produzenten aus der Anlage verbannt wurden und die Produktion von Melasse und raffiniertem Zucker nicht kontrollieren können. Die popularen Bewegungen rief sie zur Unterstützung auf: "Lasst uns diesen Kampf zusammen führen. Wir als Kommunarden dürfen keine Angst haben, diese Zuckermühle gehört uns."

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Vor Ort ist auch die "Argelia Laya Brigade" der Union der Kommunarden. Carlos Terán, Mitglied der Brigade und der Kommune El Maizal, bezeichnete den Kampf um Produktionsmittel als "Schlüssel im aktuellen wirtschaftlichen Kontext".

"[Der frühere Präsident Hugo] Chávez war ein entschiedener Verfechter des sozialen Eigentums, der Notwendigkeit, dass Land und Fabriken in den Händen des Volkes sind", betonte er.

Téran und Bauernsprecher kritisieren die "strategische Allianz“ in der Mühle: "Strategisch ist das nur für den Privatunternehmer, weil die Produzenten am Ende ausgebeutet und betrogen werden."

Der Konflikt um die Fabrik begann 2005 auf dem Höhepunkt der Verstaatlichungen und der Kämpfe für Arbeiterkontrolle. Nachdem Arbeiter die Mühle besetzt hatten, um sie wieder in Gang zu bringen, ordnete Chávez "zum Nutzen der Arbeiter und der lokalen Kleinerzeuger" die Enteignung an.

Die Beziehungen zur staatlichen Corporación Venezolana Agraria (CVA) ‒ eine Institution, die eng mit dem Agraministerium verbunden ist ‒ bei der gemeinsamen Verwaltung des Betriebes waren von Anfang an angespannt. Es gab Klagen über mangelnde Unterstützung bei der Produktion. Die Mühle wurde kurzzeitig unter der Leitung des Militärs reaktiviert, bevor sie wieder an die CVA überging und 2017 etwa 30.000 Tonnen Zuckerrohr verarbeitete.

Doch durch die Wirtschaftskrise lag die Anlage wieder brach, bis die Maduro-Regierung Ende 2020 verstärkt Staatsgelder an Regionalregierungen übertrug. Die Mühle Cumanacoa wurde in das Unternehmen CorpoSucre des Teilstaates Sucre integriert, das dann eine "strategische Allianz" mit der privaten TecnoAgro einging. Letztere führt effektiv den Betrieb.

Diese Zuckermühle ist eine von vielen "strategischen Allianzen" mit der Privatwirtschaft, bei denen die Konditionen und die Aufteilung der Anteile nicht öffentlich bekannt gegeben werden. Im Bereich der Zuckerproduktion sind die Mühlen Pío Tamayo (Lara State), Río Guanare und Santa Elena (beide Portuguesa) kürzlich in dieses Managementmodell eingestiegen.

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