Brasilien / Soziales

Besen aus alten Plastikflaschen: Frauen in Brasilien machen sich selbstständig

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Frauen in Recife bei der Arbeit und der Herstellung von Besen aus alten Plastikflaschen
Frauen in Recife bei der Arbeit und der Herstellung von Besen aus alten Plastikflaschen

Recife. Im Nordosten Brasiliens haben sich Frauen in der Stadt Recife zusammengeschlossen, um gemeinsam für ihre finanzielle Unabhängigkeit zu kämpfen. Die Organisation "Turma do Flau" ist seit mehreren Jahren in der Gemeinde Brasília Teimosa aktiv. Nun hat sie inmitten der Pandemie begonnen, eine eigene kleine Besenfabrik zu eröffnen. Dabei werden für die Herstellung der Besen alte, gesammelte PET-Flaschen verwendet.

"Turma do Flau" arbeitet bereits seit 38 Jahren im Stadtteil und konnte schon mehreren Frauen aus verschiedenen Notlagen helfen. Seit 2018 suchten sie gemeinsam verstärkt nach einer Möglichkeit, um Frauen und Müttern mehr finanzielle Unabhängigkeit ermöglichen zu können. Mit der Produktion der Besen ist ihnen das in diesem Jahr nun gelungen. Rund 20 Frauen stellen gemeinsam Besen her und verkaufen diese. Der Erlös fließt zur Hälfte in das Projekt selbst, damit laufende Kosten gedeckt werden können. Die andere Hälfte bekommen die Arbeiterinnen.

Ursprünglich war das Projekt nur für die Mütter gedacht, die zur Gruppe gehörten. Allerdings wurde die Nachfrage immer größer und das Projekt für alle Frauen und Mütter im Stadtteil geöffnet. "Wir haben gesehen, dass viele Frauen von außerhalb sich auch beteiligen wollen. Also haben wir das Projekt für das Viertel geöffnet und heute sind wir knapp 20 Frauen, die, trotz der Pandemie, alle mindestens einmal die Woche herkommen und Besen herstellen", sagt Carolina Patrício dos Santos, Koordinatorin der Gruppe "Mulheres que Geram Renda" (Frauen, die Einkommen generieren).

Das Projekt hat gleich doppelten Nutzen. Zum einen bekommen die beteiligten Frauen so die Möglichkeit zur finanziellen Autonomie und können sich gegenseitig vernetzen und stärken. Zum anderen helfen sie damit auch der Umwelt, da die Flaschen größtenteils aus der Natur gesammelt und anschließend zurück in den Verwertungskreislauf gebracht werden. Carolina Patrício wünscht sich, dass sie mit diesem Projekt "die Welt ein klein wenig besser machen können", für ihre Enkel und für ihre Kinder. Sie wollen der Umwelt etwas Gutes tun und gleichzeitig aufzeigen, wie aus vermeintlichem Müll etwas Sinnvolles gemacht werden kann: Von Müll zur Kunst, von der alten Plastikflasche zum neuen Besen und zum Unabhängigkeitsgefühl.

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Vermehrt wird allerdings die Suche nach alten Flaschen ein Problem. Es gibt bereits viele Menschen, die die Flaschen sammeln, um sich so ihr Überleben zu sichern. Daher hat die Gruppe einen Aufruf in den Social Media gestartet, in denen sie die Bevölkerung bittet, alte Flaschen zu sammeln und vorbeizubringen.

Nicht immer sei die Arbeit einfach. Die Bewohnerin Elisoneide betont jedoch, wie wichtig und wohltuend die Arbeit für sie ist: "Ich mache Fehler, ich strenge mich an, ich will etwas lernen, ich werde kämpfen und wir schaffen das. Nur so erreicht man etwas. Wir sind wie Ameisen."

Der Stadtteil Brasília Teimosa hat bereits eine lange Geschichte des Widerstandes. Immer wieder setzten sich Menschen für ihre Rechte und das Wohlergehen der im Viertel lebenden Bevölkerung ein. Nun reiht sich ein weiteres Projekt in die lange Liste der Aktivitäten ein.

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